Schweinefleisch

Der Schweinebestand in Brasilien beläuft sich derzeit etwa auf 33 Millionen Tiere. Die Produktion konzentriert sich besonders in den südlichen Bundesstaaten Rio Grande so Sul, Santa Catarina und Paraná. Im Jahr 2005 betrug die Produktion an Schweinefleisch rund 3,1 Millionen Tonnen mit einem Exportvolumen in 2004 von 598.000 Tonnen im Wert von knapp 800 Millionen US$. Das Land ist viertgrößter Exporteur mit 14 Prozent Marktanteil am Weltschweinefleischexport. Russland ist der Hauptabsatzmarkt für brasilianisches Schweinefleisch. Im ersten Halbjahr 2005 wurden knapp 179.000 Tonnen nach Russland importiert.


Geschichte der Schweinezucht in Brasilien

Vor 1950 wurden Schweine in Brasilien nur produziert um tierische Fette für die Herstellung und Haltbarmachung von Lebensmitteln bereitzustellen. Da der Markt für tierische Fette, bedingt durch den Ersatz durch pflanzliche Öle, abzunehmen begann, setzte in der Zucht ein Prozess zur genetischen Verbesserung ein.

In den 70er Jahren wurden neue Produktionstechnologien eingeführt, welche zur Modernisierung der brasilianischen Schweineproduktion beitrugen. Von dieser Periode an war die brasilianische Schweineaufzucht von zwei Produktionskategorien geprägt, in denen die ursprünglichen, ländlichen Rassen (Piau, Canastra und andere) für die Fettproduktion genutzt wurden, und die züchterisch verbesserten Rassen (Duroc, Large White, Landrassen-Kreuzungen) für die Fleischproduktion. Mit der Einführung des Genetik-Verbesserungsprogrammes erlangte die Schweineproduktion mehr Qualität und initiierte einen Anreiz für weitere Entwicklung besonders im Süden des Landes.

Der Hauptanteil der Kosten an der Schweineproduktion entfällt mit etwa 65% auf das Futter. Da die Futterrationen aus Getreidemischungen bestehen, sind Standorte der Schweineproduktion meist neben größeren Ackerbau-Standorten angesiedelt. Die Unternehmen zur Verbesserung des genetischen Materials sind meist nationale Firmen, die Aufgrund der hohen Kosten für Forschung und Entwicklung als Oligopol agieren.

Der größte Anteil der Schweineproduktion im Süden ist durch vertikale Integration mit der verarbeitenden Industrie organisiert. In den Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina stammt schätzungsweise bis zu 80% der Produktion von integrierten Betrieben. Innerhalb dieser geschlossenen Systeme erfolgt eine Zentralisierung aller Stationen des Produktionsprozesses, wie Erzeugung, Aufzucht, Schlachtung, Verarbeitung und Handel. Da das Fleisch der geschlachteten Tiere im Süden des Landes industriell verarbeitet wird, werden hier große Tiere mit einem Schlachtgewicht von 105 bis 120 kg bevorzugt. Die Schweineproduktion in den anderen Regionen beliefert die lokalen Märkte mit Frischfleisch, darum ist das Schlachtgewicht hier mit 80 bis 105 kg pro Tier geringer.

Das genetische Material in Brasilien stammt aus Europa und den USA und in den letzten Jahren haben praktisch alle großen Zuchtunternehmen Betriebe in Brasilien angesiedelt. Momentan sind die genutzten Rassen hauptsächlich Large White, Landrassen, Duroc und Pietrain, und in den meisten der kommerziellen Betrieben werden Kreuzungs-Hybriden verwendet.

Die künstliche Besamung hat sich in der brasilianischen Schweinezucht in den letzten Jahren ausgeweitet. Allerdings stammen  weniger als 20% der Schweineproduktion aus künstlicher Besamung. Aufgrund der Schwierigkeiten in der Konservierung der Samen, gibt es nur wenige Besamungsstationen und der Import ist praktisch nicht durchführbar. Die meisten Betrieb welche die künstliche Besamung nutzen, bauen eigene Stationen.
Brasiliens führende Unternehmen der industriellen Schweineproduktion sind Sadia, Perdigão, Aurora und Seara. Sie alle besitzen eine ähnliche Organisationsstruktur und agieren in einem konzentrierten, extrem konkurrierenden Umfeld.


Bericht TopAgrar 2005
Barra do Piraí, Fazenda Taquara

„Das zweite Standbein des Betriebes ist die Schweinehaltung, Gesamtbestand 2.400 Schweine, z.Zt. mit 3,18 Reais/kg Lebendgewicht die besten Preise der letzten 8 - 10 Jahre (Sauenbestand in Brasilien 2003 um 600.000 Tiere reduziert!), zusätzlich niedrige Futterkosten. Gewinn z.Zt. ca. 120 Reais je Schwein. 2000/2001 war eine kritische Zeit wegen teurer Futtermittel und niedriger Schweinepreise). 3 Mastställe für jeweils 230 Schweine mit 40 - 50 cm dicker Matratze aus Hobelspänen. Restliche Schweinemast in 2 zweireihigen einstreulosen Offenställen (25 - 30 Schweine/Bucht) mit planbefestigten Buchtenböden, Trogfütterung, Nippeltränken, Entmistung mit „Wasserspülung“. Güllelagerbehälter 400 m3. Futtermischung aus Zukaufkomponenten  (60 % Mais, 35 % Soja, 5 % Mineralstoffe). Futterverwertung 1:3 (270 kg Futter für ein 90 kg-Schwein). 290 Sauen (Aufstockung auf 500 Sauen geplant), Haltung im Wartestall in Kastenständen. Abferkelbuchten teilperforiert mit Metallrosten und Ferkellampen, Flüssigmistkanäle, Rohrentmistung mit Stausystem. Keine künstliche Besamung. Bis 2003 tragende Sauen in Weidehaltung mit Hütten (Verferkeln  durch zu  hohe  Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 40° C).  Jetzt  24 Ferkel/Sau/Jahr (2,2 Würfe x 11 Ferkel), mit  5 - 8 % sehr geringe  Verluste  durch 24 Stunden-Schichtdienst  im  Sauenbereich.  Absetzen  nach  21 Tagen, wenig  Medikamente (u.a. Kostenfrage). Ferkelaufzucht auf vollperforierten Kunststoffböden mit 60 Ferkeln/Bucht, Futterautomaten, Nippeltränken. Zweireihiger Stall mit schrägem Fußboden zum mittigen Güllekanal, Flatdecks 40 - 50 cm hoch gestellt, Schwerkraftlüftung. Alle anfallenden Ferkel werden selbst gemästet, Schlachtgewicht 90 - 95 kg, Kreuzungssauen (Large White x Landrasse) x Dalland-Eber. Eigenes Schlachthaus, dadurch wird der Zwischenhandel ausgeschaltet. Monatlich werden 400 - 430 Schweine geschlachtet, Hälftenverkauf und Blutwurstproduktion.“