Rindfleischproduktion
Brasilien ist mit einer Gesamtproduktion von 7,77 Millionen Tonnen im Jahr 2005 der weltweit drittgrößte Rindfleischproduzent hinter den USA und der EU. Beim Export ist das Land weltweit führend. Die jährlichen Exporte erreichen 2,3 Millionen Tonnen. Das ist mehr als Australien und Argentinien zusammengenommen, welche Platz zwei und drei der Rankingliste einnehmen, und 1,9 Millionen Tonnen ausführen. Jedes dritte, weltweit exportierte Kilo Rindfleisch ist “Made in Brazil”.
Im ersten Halbjahr 2006 beliefen sich die brasilianischen Rindfleischexporte auf 1,7 Millionen US$. Dies ist ein neuer Rekord und entspricht ein Anstieg um 16,24% im Vergleich zum Jahr 2005.
Der Hauptabnehmer brasilianischen Rindfleisches ist Russland, gefolgt von Ägypten, den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Bulgarien und Algerien.
Höhere Exportquoten werden zurzeit noch durch tarifäre und nicht tarifäre Handelshemmnisse blockiert. Der Einfuhrzoll für brasilianisches Fleisch in die Europäische Union beträgt zurzeit bis zu 170 Prozent. Aktuelle Verhandlungen zwischen EU und Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) streben im Rahmen einer Freihandelszone eine Reduzierung dieser Handelshemmnisse an.
An den internationalen Märkten haben sich die Kräfteverhältnisse in den letzten Jahren deutlich verschoben. Insbesondere Brasilien und Argentinien haben ihre Rindfleischerzeugung stark ausgebaut und drängen verstärkt auf den Weltmarkt. Sie machen inzwischen fast die Hälfte des gesamten Welthandels unter sich aus. Ebenso verzeichnet China eine enorme Steigerung der Rindfleischproduktion. Dagegen ist die europäische Erzeugung rückläufig.
Brasilien besitzt in der Rindfleischproduktion deutliche Kostenvorteile. Durch extensive Weidehaltung, der an die klimatischen Bedingungen angepassten Rinder kann effizient zu niedrigeren Kosten produziert werden. Ein brasilianisches Rind ist nach durchschnittlich zwei Jahren schlachtreif. Die Rinder wachsen auf weitläufigen Grünlandflächen auf, was sich in der Qualität des Fleisches niederschlägt. BSE ist kein Thema. Allerdings könnten die jüngsten Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche (MKS) in begrenzten Gebieten der Bundesstaaten Mato Grosso do Sul (MS) und Paraná (PR) einen weiterer Zuwachs im Export etwas abschwächen, da aus MS etwa die Hälfte aller brasilianischen Rindfleischexporte stammen. 56 Länder verhängten mittlerweile ein Embargo.
Im Jahr 2005 betrug der gesamte Rinderbestand in Brasilien 192 Millionen Stück Vieh. Darunter ist das Nelore-Rind mit über 100 Millionen Tieren die am weitesten verbreitete Rasse.
Fleischrassen in Brasilien
In der extensiven Fleischproduktion dominieren Zebu der Rasse Nelore. Taurine Rassen sind Simmental, Hereford, Angus und andere Fleischrassen. Kreuzungen sind häufig, beliebt sind vor allem Simmental x Nelore oder Brahman x Angus. Auf einigen Betrieben werden mehrere Rassen zu dem dort bevorzugten robusten Fleischtyp gekreuzt und als Kreuzungsrasse weitergezüchtet.
Die wohl überwiegende Anzahl der extensiven Fleischproduktionsbetriebe hält eigene Bullen für die natürliche Reproduktion.
Nelore-Rind
Das Nelore-Rind stammt ursprünglich vom indischen Zebu ab. Es besitzt einen ausgeprägten Buckel über Schulter und Nacken (Cupim) und ist eine der Rinderrassen mit den längsten Ohren. Die langen Beine helfen in sumpfigem Gebiet zu laufen und zu grasen. Das Nelore-Rind kann sich gut an unterschiedliches Klima anpassen. Die dicke, schwarze Haut ist von weißem bis hellgrauem Fell überzogen, dass schädliche Sonnenstrahlen filtert und reflektiert. Diese Rasse ist extrem hitzetolerant, anspruchslos und besitzt eine natürliche Resistenz gegenüber verschiedenen Parasiten und Krankheiten. Desweiteren ist sie sehr fruchtbar, leichtkalbig und besitzt einen ausgeprägten Mutterinstinkt. Brasilien ist mit einem Bestand von über 100 Millionen Stück der weltweit größte Züchter von Nelore-Rindern.
Hereford
Das Hereford-Rind ist eine, an extreme Klimaverhältnisse sehr anpassungsfähige, mittelrahmige Fleischrasse. Weitere Eigenschaften wie Leichtkalbigkeit, niedrige Kälbersterblichkeit, wirtschaftliche Verwertung von Raufutter, hohe Fruchtbarkeit bei langer Lebensdauer, gute Umgänglichkeit und beste Fleischqualität durch Marmorierung und Feinfaserigkeit haben dazu beigetragen, dass Hereford die auf der Welt am stärksten verbreitete Fleischrinderrasse ist (besonders in Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland und Südafrika). Hereford Rinder werden überwiegend in den gemäßigten Zonen des Südens gezüchtet.
Fleckvieh, Simmentaler
Das Fleckvieh ist eine anpassungsfähige Zweinutzungsrasse mit gleicher Betonung von Milch- und Fleischleistung. Die Jahresmilchmenge beträgt ca. 5100 kg. Sie findet Verbreitung in Europa, Nord- und Südamerika, China. Südafrika u.a. Für die Tropen wird eine Form mit dunkel pigmentierten Augenringen gezüchtet.
Canchim
Der Canchim ist ein in Zentralbrasilien aus indischem Zebu (Bos taurus indicus) und europäischem Charolais (Bos taurus taurus) gezüchtetes Fleischrind. Es vereinigt die hohe Leistung europäischer Rinder mit der Anpassung der Zebus an heiße Klimate.
Limousion
Der Limousin ist ein pflegeleichtes Fleischrind erster Qualität und wird oft für Einkreuzungen verwendet. Diese Rasse ist für alle Klimazonen geeignet und weltweit in insgesamt über 40 Ländern verbreitet, darunter besondersFrankreich, Brasilien, Argentinien und Australien.
Brahmans
Der amerikanische Brahman wurde aus vier verschiedenen indischen Rassen gezüchtet: der Guzerat, Gir, Nellore and Krishna. Charakteristisch für Brahmans ist der Buckel über Schulter und Nacken, und die losen Hautlappen am Hals. Bullen können bis zu 1100kg wiegen, Kühe bis zu 700 kg. Sie besitzen mehr Schweissdrüsen und eine ölige Haut um Insekten abzuweisen. Darüberhinaus sind sie Unempfindlichkeit gegen Parasiten und Krankheiten und vereinigen Eigenschaften wie Kraft, Widerstandsfähigkeit, Hitzetoleranz und ruhiges Temperament, was sie zu geeignete Nutzrinder für tropische und suptropische Länder macht. Verbreitung: USA sowie ca. 60 Länder der Tropen und Subtropen.
Krankheiten
In der extensiven Weidehaltung Brasiliens entstehen Tierverluste durch Botulismus, Tollwut und Pflanzenvergiftungen. Tuberkulose und Brucellose sind weit verbreitet. Befall und Übertragung von Krankheiten durch Parasiten sowie Anaerobeninfektionen treten überwiegend bei Jungtieren auf. Staatliche Bekämpfungsprogramme und jahreszeitlich festgelegte Impfungen für alle Tiere gibt es nur für Maul- und Klauenseuche. Das Risiko der Einschleppung bei Tierzukäufen ist dadurch sehr hoch.
Rückverfolgbarkeit
Der Export brasilianischen Rindfleisches unterliegt einigen Hürden wie z.B. Gesundheitsanforderungen und kommerziellen Beschränkungen. Eine Massnahme die Gesundheitsanforderungen zu erfüllen, ist die Entwicklung von Systemen zur Rückverfolgbarkeit, die in anderen Ländern schon weitgehend Standard sind, und ein Maximum an Lebensmittelsicherheit und Qualität der Produkte sicherstellen. Seit dem 15. Juli 2006 muss das gesamte in die EU exportierte Rindfleisch durch das brasilianische Identifizierungs-System Bovina e Bubalina des Ministeriums für Ackerbau und Viehhaltung (Ministério da Agricultura e Pecuária - Mapa) registriert werden.
Um die Effizienz dieses Mechanismus zu gewährleisten ist es zu allererst notwendig, die einzelnen Tiere mit Identifikationstechnologie auszustatten. Dies kann manuell durch Ohr-, Metallmarken oder Halsketten geschehen oder durch elektronische Mikrochips, die entweder an den Marken angebracht, oder subkutan platziert werden. Neuerdings wird im Land die biometrische Identifizierung angeregt, bei der das Gefäßmuster der Netzhaut (Retina) als eindeutiges Identifizierungsmerkmal gescannt wird.
Um alle Etappen des Produktionsprozesses zu überwachen werden Daten wie das Geburtsdatum, Herkunft, Rasse, Tag der Schlachtung, Haltungsform und Informationen über die Einhaltung von Normen für Umweltschutz und Wohlergehen des Tieres festgehalten.
Ein weiterer fundamentaler Punkt der Nahrungsmittelsicherheit ist die Frage der Krankheitskontrolle, vornehmlich nach Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche und BSE oder Rinderwahnsinn.
Die brasilianischen Behörden sind bemüht, einige Normen in der Nahrungsmittelproduktion einzuführen, die bestimmen, dass die Rückverfolgbarkeit und die Identifikation nach systematischen und festgelegten Regeln abläuft, und so die geforderten Informationen bezüglich des Produktes garantieren.
Die Verantwortlichen für die Überprüfung, Sammlung und Speicherung der Daten sind die Zertifizierer. Diese Unternehmen besitzen ihre eigenen Datenbanken, mit Informationen über die einzelnen Klienten, die landwirtschaftlichen Flächen und die Tiere. Die Zertifizierer stehen in direktem Kontak mit dem Landwirtschaftsministerium, dass seinerseits eine zentrale Datenbank besitzt, in der ein nationales Register aller Produzenten und Zertifizier-Unternehmen geführt wird. Darüberhinaus gibt es innerhalb des Rückverfolgbarkeits-Programmes ein Archiv, in dem jedes Tier, dass im mit einer einzelnen Seriennummer elektronisch erfasst ist.
Indessen herrscht einige Verwirrung über die Verteilung der Kompetenzen. Das heißt, wer das Zertifikat einführt, wer es überwacht und bescheinigt. In jedwedem Qualitätsprogramm sollten Einführung, Überwachung und Bescheinigung von getrennten Organen durchgeführt werden. Desweiteren behindert die schlechte Information der Rinderzüchter und Facharbeiter den Prozess der Registrierung. Viele haben noch nicht verstanden warum sie die Informationen über ihre Betriebe auflisten sollen. Darüberhinaus fehlen Einrichtungen für das Training und Verbindungen zu Universitäten und Forschungszentren. Aus diesen Gründen steckt die Rückverfolgbarkeit des Rindfleisches in Brasilien noch in Kinderschuhen und hat noch einige Hürden zu überwinden.
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