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Geflügel
Die gesamte Hühnerpopulation in Brasilien beträgt etwa 1,1 Milliarden Stück. Die Hühnerfleischproduktion liegt bei knapp 9 Millionen Tonnen, die Eierproduktion bei 1,6 Millionen Tonnen. Damit ist Brasilien der weltweit drittgröste Produzent von Hühnchen und deren Produkten, und mit 43% Marktanteil der größte Exporteur von Hühnchenfleisch. Das Fleisch wird überwiegend in den Bundesstaaten São Paulo, Paraná, Goiás, Minas Gerais, Rio Grande do Sul und Santa Catarina produziert. Die Geflügelindustrie ist hochtechnisiert und entwickelt sich zwischen Genossenschaften lokaler Landwirte und Großbetrieben.Der Kostenvorteil Brasiliens bei der Geflügelproduktion liegt in den niederen Lohnkosten. Darüberhinaus profitierte das Land sehr von der Reduktion der Handelsbeschränkungen und Exportsubventionen, die im Rahmen der WTO-Verhandlungen beschlossen wurden. Weitere Produktionsvorteile bieten moderne Technologien, der große und schnell wachsende lokale Markt, so wie die gelegentlich starke Abwertung der brasilianischen Währung in vergangenen Jahren. Produktion
Die Geflügelproduktion kann aufgeteilt werden in folgende Stationen: genetische Selektion, Produktion von Zuchttieren und Kücken, Aufzucht und Mast, Schlachtung und Vermarktung.
Die genetische Selektion besteht darin, eine Stamm von Individuen mit erwünschten Eigenschaften an Gewicht, Geschlechtsreife, Fruchtbarkeit, Nahrungsumsetzung, Schlachtalter usw. zu erzeugen. Diese Station des Produktionprozesses erfordert hohe, langfristige Investitionen. Nur wenige Unternehmen in Brasilien sind in diesem Feld tätig. Sie stehen mit internationalen Organisationen in Kontakt.
Bei der Produktion von Zuchttieren werden mit Erzeugung der Großeltern- und Elterntiere Hybridtiere erzeugt. Die Großeltern stammen aus der Reproduktion des Stammes des genetischen Selektionsprozesses und werden meist aus Europa oder den USA importiert. Sie erzeugen wiederrum die Zuchttiere, die als Elterntiere für die kommerzielle Produktion von Junghühnern eingesetzt werden. Dieser Schritt ist Teil des vertikalen Produktionssystems und nur ein paar wenige Unternehmen sind daran beteiligt. Der dritte Schritt ist die Aufzucht und Mast der Kücken auf den Hühnerfarmen zur Erzeugung der Hähnchen. In diesem Segment gibt es eine intensive Kostenkontrolle infolge des großen Verbrauchs an Futter, Medikamenten und spezialisierten Arbeitskräften. Hier geht der Trend zu einer dezentralisierten Produktion mit einer großen Anzahl kleinerer integrierter Produzenten. Nach der Mast erfolgt die Schlachtung und Weiterverarbeitung für den kommerziellen Vertieb. Schätzungsweise 20% der Produktion werden exportiert und 80% auf dem Binnenmarkt verkauft.
Die Schlachthäuser im Süden, die zu den großen Unternehmensgruppen der Region gehören, kontrollieren den Produktionsfluss entlang der gesamten Produktionskette innerhalb eines integrierten Systemes. Sie bekommen die Hähnchen je nach Bedarf von den Farmen geliefert. Diese Gruppen kommerzialisieren die verarbeiteten Produkte. Es bedarf hoher Investitionen in Marketingstrategien, Werbung, Markennamen, Mittler, Ankäufe usw. Die größten Ungernehmen sind: Sadia, Perdigão, Macedo, Frangosul und Doux.
Die Futterkosten machen bis zu 70% der gesamten Produktionskosten der Geflügelaufzucht aus. Das Futter wird hauptsächlich aus Mais und Sojamehl zusammengestellt, was die Entwicklung des Sektors nahe an Produktionsstandorten erklärt, die diese Produkte produzieren.
Das traditionelle Bild, in dem die kommerzielle Geflügelproduktion auf kleinen und mittelgroßen Betrieben basierte, in denen Hühnchen für die großen, verarbeitenden Industrien heranzogen hat sich mittlerweile geändert. Mittlerweile betragen die neueren Ställe Kapazitäten von 24 000 Hühnern, mit automatischer Fütterung und Kontrollen für Temperatur, Feuchtigkeit und Licht. Es zeigt sich in diesem Sektor deutliche Kostenersparnis durch Massenproduktion. Der Zukunftstrend geht hin zu einer verarbeitenden Industrie die mit einer kleineren Anzahl produzierender Großbetriebe zusammenarbeitet.Technologie
Die Expansion und Festigung der Geflügelproduktion wurde durch die Verbreitung von Spitzentechnologien in den Feldern der Genetik, Fütterung, Haltung, Gesundheit und Ausstattung bewirkt. Die gute Leistung der Hühchenprodukte wird durch ein konstantes Sinken der Preise für Betriebsmittel und/oder Gewinne durch gesteigerte Effizienz in der Produktionskette bedingt.Rückverfolgbarkeit
Im Geflügel- und Schweinefleischsektor gibt es noch kein nationales Gesetz, dass zur Rückverfolgbarkeit verpflichtet, aber die großen Exportunternehmen besitzen eigene Systeme, die die Anforderungen der internationalen Märkte berücksichtigen. Das gesamte brasilianische Hühnchenfleisch, dass nach Europa exportiert wird muss auf Nitrofenrückstände geprüft werden.
[Nitrofen ist ein Herbizid, und gehört zur Gruppe der selektiven Herbizide, die vorwiegend im Vorauflauf Anwendung finden. Seit 1988 gilt ein vollständiges Vertriebs- und Anwendungsverbot in der EG, für Nitrofen-Rückstände in Lebensmitteln gilt die allgemeine Höchstmenge von 0,01 mg/kg Lebensmittel.
Eine weiteres Handelshemmnis für das brasilianische Geflügelfleisch, ist die Legalisierung transgenen Sojas im Land, da Soja einen Teil der Nahrung der Hähnchen ausmacht. Dadurch könnten Verluste im Export von Hühnchenfleisch auftreten, da die EU keine transgenen Produkte akzeptiert und mittlerweile neben der verschärften Kennzeichnung für gentechnisch veränderte Lebensmittel auch eine Kennzeichnung für gentechnisch veränderte Futtermittel eingeführt hat. |