Aktuelles: 3. Februar 2007
Weine aus dem Vale dos Vinhedos in Südbasilien gewinnen Status in der EU

Trauben und Wein

Geschichte

Im Jahr 1532 pflanzten die Portugiesen im Zuge der Kolonisierung Brasiliens in der Region Sao Paulo die ersten Reben. Zu Beginn des 17. Jhdt. kultivierten Jesuiten spanische Reben in Rio Grande do Sul. Nach der Zerstörung der Jesuiten-Missionen durch die Siedler und auf Grund der Vertreibung des Ordens wurde der Weinbau jedoch wieder aufgegeben. Erst um 1840 erfuhr er durch die Einführung der Hybridrebe Isabella an der Südküste der Region Rio Grande eine Wiederbelebung. Größere Bedeutung erlangte der Weinbau ab dem Jahre 1875 durch italienische und später deutsche Einwanderer, die ihre heimischen Reben mitbrachten.


Heute

Brasilien produziert auf 73 500 Hektar Anbaufläche 1,2 Mio Tonnen Wein- und Tafeltrauben. Ein Hektar erbringt im Durchschnitt 16 Tonnen. Die Produktion von Weinen, Traubensaft und Nebenprodukten konzentriert sich hauptsächlich im Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo im Durchschnitt jährlich 330 Millionen Liter Wein und Saft hergestellt werden. Dies entspricht 95% der nationalen Gesamtproduktion. 2004 betrug die exportierte Menge etwa 29 000 Tonnen im Wert von knapp 53 Mio US$.


Vale dos Vinhedos

Das bekannteste Weinbaugebiet Brasiliens ist das Vale dos Vinhedos (Weintal) im Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo der Weinbau vor über hundert Jahren von italienischen Einwanderern begründet wurde. Hier werden im Hügelland um die zwei Städte Bento Gonçalves und Garibaldi,  verschiedenste Weinsorten angebaut, wie Gamay, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc, Semillon, Merlot and Alicante Bouschet. Desweiteren Riesling, Gewurztraminer,Trebiano, Prosecco und viele Muskateller-Sorten. Es herrscht ein gemäßigtes Klima vor, mit sonnenreichen Sommern und ausreichend Regen.


Vale do Rio São Francisco

Das Tal des Rio San Francisco durchzieht die Bundesstaaten Pernambuco, Bahia, Minas Gerais, Alagoas und Sergipe im semi-ariden Nordosten Brasiliens. Das Becken des Flusses São Francisco erstreckt sich über eine Fläche von 640.000 Quadratkilometer. Der Hauptlauf hat eine Länge von 2700 Kilometern zwischen den Oberläufen der Serra da Canastra in Minas Gerais und seiner Mündung in den Atlantik zwischen den Bundestaaten Alagoas und Sergipe. Dieses Gebiet beinhaltet etwa 503 Gemeinden und geschätzte 17 Millionen Einwohner.

Seine Lage, so wie fruchtbare Böden, trockenes Klima und Sonneneinstrahlung während des ganzen Jahres, predestinieren das Tal für die landwirtschaftliche Nutzung und die Obstproduktion. Diese Faktoren ermöglichten die Umsetzung eines Projekts zur Förderung des bewässerten Obstanbaus, das vor 30 Jahren durch die Gesellschaft zur Entwicklung des Vale do Sao Francisco in Zusammenarbeit mit Kleinbauern und Produzenten ins Leben gerufen wurde. Es hat zum Ziel, die Region mit einer verbesserten Infrastruktur auszustatten. Die Landwirtschaft im Tal des San Francisco bietet circa 16.000 direkte Arbeitsplätze in der Region.

Das Vale do São Francisco produziert 80% aller aus Brasilien exportierten Mangos und 95% aller Weintrauben. Im Jahr 2005 wurden aus dem Tal mehr als 115.000 Tonnen Früchte in 25 Länder exportiert. Der Umsatz betrug 126 Millionen US-Dollar, woran die Weintrauben einen Anteil von 50% und die Mangos 37% hatten. Der Rest verteilte sich auf andere im Vale do São Francisco angebaute Früchte wie Kokosnuss, Guave und Acerola. Der internationale Preis der Weintrauben ist um 15,3% gestiegen und Bahia verzeichnete einen Anstieg der Exportmenge von 84% sowie von 108% des Umsatzes.
Auf Grund des heißen Klimas und der hohen Luftfeuchtigkeit besteht eine erhöhte Gefahr von Pilzkrankheiten. Darum werden resistente Rebsorten der Spezies Vitis labrusca wie Concord, Delaware, Dutchess, Isabella (häufigste Sorte), Niagara (häufigste weiße Sorte) und verschiedene Hybriden auf Basis Seibel angebaut. Die Lese muss aus den klimatischen Gründen relativ früh erfolgen, deshalb ergeben die Trauben säurereiche aber etwas körperarme Weine. Die etwas derben, alkoholreichen Rot- und Weißweine sind vor allem für den Inlandsmarkt bestimmt. Seit einiger Zeit schon werden zunehmend auch europäische Sorten wie Bordeaux (Ives Noir), Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Chardonnay, Malvasia, Merlot, Muskateller-Sorten, Petite Sirah und Trebbiano forciert. Große europäische Unternehmen setzen neue Initiativen, vor allem Cinzano, Domecq und Moet et Chandon (mit dem Weingut Chandon Brazil), die auch Schaumweine erzeugen. Der weitaus größte Produzent ist die Cooperativa Vinicola Aurora mit 60 Millionen Flaschenpro Jahr, der die Trauben von rund 1.500 Produzenten verarbeitet.

Ein Generalplan zur Entwicklung des Tals des Rio São Francisco (PLANVASF - Plano Diretor de Desenvolvimento do Vale do Rio São Francisco) der Regierung sieht vor, das gesamte, 2700 km lange Tal des Rio São Francisco bis zum Jahre 2010 in riesige Bewässerungsplantagen zu verwandeln, zusammen mit der entsprechenden Infrastruktur wie Staudämmen, Häfen und einem Flughafen, der bei Petrolina (Pernambuco), Juazeiro auf der anderen Flußseite gegenüber, bereits gebaut wurde.

Unter dem früheren Präsidenten Cardoso konnte das Projekt durch internationalen Protest verhindert werden. Unter dem gegenwärtigen Präsidenten Lula ist es im Rahmen eines mehrjährigen Entwicklungsplanes wieder im Gespräch und beinhaltet die Ableitung von 127m³/s Wasser 600 km aufwärts von der Mündung des São Francisco Fluss, wodurch das Problem der Dürre im semiariden Nordwesten Brasiliens gelöst werden soll.
Das Projekt ist heftig umstritten, da gravierende ökologische und soziale Schäden erwartet werden. Der Fluss ist für Millionen Menschen und eine Unzahl von Pflanzen und Tieren lebensnotwendig, und es wurden schon große Eingriffe in seinen natürlichen Lauf unternommen. Fünf große Staudämme verändern seinen natürlichen Wasserzyklus, was zur Folge hat, dass Fische nicht im Oberlauf laichen können und Uferbewohner ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage verlieren. Die Abholzung der Uferwälder und der natürlichen Vegetation Cerrado und Caatinga für Monokulturen von Eukalyptus und Soja führen zur Austrocknung der Quellflüsse und zur Versandung des Flusses.

Das geplante Bewässerungsgroßprojekt dient besonders der Stärkung des Exports. Land und das Wasser werden konzentriert wodurch die lokale Produktion und Märkte extrem benachteiligt werden könnten und die Abwanderung und Armut weiter zuehmen wird. Zudem verschmutzen und vergiften Schädlingsbekämpfungsmittel und sanitäre Abwässer das Wasser und bedrohen die Tiere und Menschen, die am und mit dem Fluss leben. Auch ob sich das Projekt ökonomisch überhaupt lohnt ist umstritten.