Tabak

Weltweit gibt es etwa 1,1 Milliarde Raucher, die etwa 6 Billionen Zigaretten jährlich konsumieren. In Brasilien rauchen 30,6 Millionen Menschen über 15 Jahre.

Ein Päckchen Zigaretten kostet in Brasilien je nach Marke etwa 2 Reais (ca. 0,80 Euro), davon sind 41,25% Verbrauchssteuer und 25% Umsatzsteuer. Für Zigaretten aus den USA beträgt der Einfuhrzoll 0,81 US$/20 Zigaretten, wohingegen Argentinien, Paraguay und Uruguay zollfrei importieren dürfen.

Aktuell beträgt die Anbaufläche von Tabak in Brasilien etwa 500 000 Hektar mit einer Gesamtproduktion an Tabakblättern von knapp 880 000 Tonnen. Im Jahr 2004 gingen ca. 600 000 Tonnen im Wert von 1,4 Milliarden US$ in den Export.

135 000 kleinbäuerliche Familienbetriebe produzieren Tabak als für sie wirtschaftlich wichtigstes Produkt. Tabak ist eines der wenigen Produkte, dass auch auf kleinen Flächen ein viermal höheres Einkommen erzeugt als jede anderen Frucht. Darüberhinaus hilft es, die Abwanderung auf dem Land zu mildern, da es Familienarbeitskräfte effizient ausnutzt. Die Lohnkosten betragen bei Tabak etwa 50% der gesamten Produktionskosten. Allerdings zeigt das Einkommen von Tabak-Betrieben über die Jahre kräftige Schwankungen.

Tabak ist eine wichtige Quelle für ständige Arbeitsplätze, die spezialisierte Arbeit auf den Betrieben wie auch in der lokalen Industrie bereithält. Die Gesamtanzahl an Arbeitsplätzen in der Tabakindustrie beträgt etwa 2,2 Millionen, davon sind 500000 direkt in der Landwirtschaft, 200000 in betriebsnahen Aktivitäten, wie der Weiterverarbeitung auf den Betrieben und weitere 1,5 Millionen in vor- und nachgelagerten Bereichen wie Transport, Distribution, Verarbeitung, Gross- und Einzelhandel, Verarbeitung für den Export, ect.Wie in vielen anderen Ländern ist die Tabakproduktion in Brasilien nicht nur wegen der hohen Rentabilität attraktiv, sonder auch wegen der garantierten Produktionsabnahme, die es bei anderen Produkten nicht gibt.

Die industrielle Tabakproduktion konzentriert sich vor allem im Süden des Landes in den Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, wo sich Tabak erzeugende und verarbeitende Industrien befinden, die stark exportorientiert sind. Die Bundesstaaten sind sehr vom Einkommen der Mehrwertsteuer auf Tabak abhängig. Als zweitgrösster Tabakproduzent der Welt exportiert Brasilien 60% seiner Erträge hauptsächlich in die USA und nach Asien.

Im Süden werden hauptsächlich die drei Sorten Virginia, Comum und Burley angebaut, wovon Virgina alleine Dreiviertel der Produktion ausmacht.


Zigarren- und Pfeifentabak

Es gibt zwei Hauptanbaugebiete für Zigarrentabake, beide liegen im Nordosten. Die Region Arapiraca befindet sich im Bundesstaat Alagoas. Hier wird ein würziger Tabak mit klar strukturierten Blättern produziert. Die etwa 500 km südlich gelegene Region Reconcavo im Bundesstaat Bahia bringt Tabak mit weniger Würze aber feinstrukturierte Blätter hervor. Im Gegensatz zur sonst üblichen Einzelblattpflückung werden in dieser Region die Blätter am Stengel getrocknet, was ihnen eine besondere Würze verleiht. Es werden einige Premium-Marken im Land gefertigt, der Hauptanteil des brasilianischen Zigarrentabaks wird jedoch hauptsächlich als Rohtabak exportiert und überwiegend in Europa weiterverarbeitet.


Probleme

Wie in anderen landwirtschaftlichen Bereichen, ist auch in der Tabakindustrie die Kinderarbeit ein Thema. Obwohl Kinderarbeit nach brasilianischer Gesetzgebung strengstens verboten, ist sie in manchen ruralen Gebieten nach wie vor zu finden. Tabakpflücker (besonders Kinder und Jugendliche) erkranken häufig an Symptomen wie Schwindel, Übelkeit oder Hautreizungen. Die Erkrankung kann auftreten, wenn die Haut mit nassen Tabakblättern in Kontakt tritt und mit dem austretenden Nikotin in Berührung kommt. Darüberhinaus bedingt fehlende Schutzkleidung schwere gesundheitliche Schäden durch den Einsatz von Pestiziden.

Für die Tabakproduktion ist die Verfügbarkeit von Feuerholz für die Fermentation Voraussetzung. Rechtliche Beschränkungen bezüglich der Nutzung von Wald fordern von allen landwirtschaftlichen Betrieben 20% des Farmlandes als ursprünglichen Wald zu belassen. Dieses Gestz wurde als Bedrohung für die Tabakindustrie angesehen. Die Tabakgesellschaften realisierten daraufhin ein Programm zur Wiederherstellung der Waldbestände an Produktionsstandorten. Dieses Programm zielte darauf ab, den ursprünglichen Wald zu bewahren und wieder aufzuforsten um den Tabak-Anbau mit Feuerholz für die Fermentation und Holz für Gebäude zu versorgen, und gleichzeitig das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Die Tabakgesellschaften, Produktionsgemeinschaften und –industrien investierten viel in ihr Versprechen, ungenutzte Flächen mit einheimischen (Akazie) und exotischen (Eukalyptus) Arten zu bepflanzen. Diese Kampagnen erreichten 140 000 Landwirte im Süden, die Vereinbarung umfasste alle zugehörigen Anbieter von Dienstleistungen und notwendigen Produktionsmitteln. Die Tabakindustrie hat sich dazu verpflichtet keinen Tabak zu erwerben bei dessen Behandlung Feuerholz aus irregulären Quellen verwendet wurde, und kein Landwirt wird registriert ohne Verpflichtung zur teilweisen Aufforstung seines Landes.


Ausblick

Während der Tabakkonsum in Industrieländern auf Grund verstärkter politischer Anti-Raucher-Massnahmen weiter abnimmt, wird in den Entwicklungsländern mit einer weiteren Zunahme gerechnet. Es wird erwartet, dass die Weltproduktion an Tabakblättern im Jahr 2010 7,1 Millionen Tonnen erreichen wird. Auf Grund der steigenden Kaufkraft der Bevölkerung steigern China und Indien ihren Tabakkonsum. Mit 320 Millionen Rauchern ist China der weltweist grösste Zigarettenkonsument.

Innerhalb dieses Wandels zwischen den Grössen im Tabakgeschäft wird Brasilien, auf Grund seiner Wettbewerbsfähigkeit und eines gut ausgebauten Industriesektors, weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Die Agrarpolitik in Brasilien im Bezug auf die Tabakproduktion wird derzeit neu definiert. Obwohl sich die Gewinne aus der Tabakproduktion hauptsächlich in den grossen Genossenschaften und Konzernen konzentrieren, ist sie doch auch eine wichtige Einnahmequelle für die von der Regierung unterstützten Kleinbauern. Es bestehen Interessenskonflikte zwischen der kleinbäuerlichen, familienbetriebenen Tabakproduktion und den grossen Gesellschaften, die das Produkt kaufen. Mittlerweile gibt es eine starke Lobby von Organisationen der Kleinbauern (vertreten durch die Federação dos Trabalhadores na Agricultura Familiar do Brasil - FETRAF) die zusammen mit der Politik des Ministeriums für Landwirtschaft und Entwicklung die Interessen der Familienbetriebe schützt.