Soja

  1. GV-Soja
  2. Gentechnisch verändertes Saatgut
  3. Gesetzliche Regelung
  4. Der Sojakönig
  5. Umstrittenes Projekt

Mit einer Anbaufläche von 23 Millionen Hektar ist Brasilien nach den USA der zweitgrößte Sojaproduzent und nimmt in der Rangliste der Soja-Exporteure den ersten Platz ein. Hauptexportländer sind die EU, China und Japan. In der EU werden 80%  der Sojabohnen zu Futtermitteln verarbeitet, der übrige Teil geht in die Lebensmittelerzeugung und in den technischen Bereich.

Im Jahr 2005 betrug die Gesamtproduktion 50,2 Millionen Tonnen, der durchschnittliche Ertrag lag bei 2,2 Tonnen pro Hektar. Die Hauptanbaugebiete liegen im Mittelwesten, Südosten und Süden des Landes. In manchen Gebieten wie zum Beispiel im Bundesstaat Mato Grosso erlauben hochentwickelte, nachhaltige Methoden und Technologien Erträge von über 4,5 t/ha.


GV-Soja

Brasilien war lange Zeit das einzige große Exportland, das offiziell "ohne Gentechnik" produzierte. Mittlerweile ist Brasilien nach den USA, Argentinien und Canada weltweit bereits viertgrößter Produzent von gentechnisch verändertem Soja. Ende 2005 wurden auf etwa 40 Prozent der nationalen Soja-Anbaufläche gv-Sorten ausgesät. Die einzelnen Bundesländer können sich gegen die Zulassung von gv-Soja entscheiden, was die Bundesländer Mato Grosso, Santa Catarina und Paraná auch getan haben.

In der EU besteht die Nachfrage nach "gentechnik-freien" Sojarohstoffen, die in der Regel aus Brasilien bezogen werden. Mittlerweile wird China zunehmend als Absatzmarkt interessant. China führt inzwischen große Mengen Sojarohstoffe ein und hat die Verwendung von gv-Sojabohnen als Futter- und Lebensmittel legalisiert.

Inzwischen zeichnet sich die Aufteilung Brasiliens in zwei unterschiedliche Soja-Anbauzonen ab. Der Anbau von gv-Sorten konzentriert sich auf den südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Der Anteil von gv-Soja an der regionalen Produktion wird für 2006 auf bis zu 80 Prozent geschätzt. Die Produktion ist für den allgemeinen Weltmarkt bestimmt.

Der Norden des Landes setzt weiter auf den konventionellen, gentechnik-freien Sojaanbau. Ohnehin sind die RoundupReady-Sojabohnen eher an die gemäßigten Klimazonen des Südens angepasst. Die Sojaernte aus dieser Region wird über den Hafen in Paraná nach Europa und Asien verschifft um die Nachfrage nach "gentechnik-freien" Rohstoffen zu decken, deren GVO-Anteil unterhalb der in der EU gültigen Kennzeichnungsschwelle von 0,9 Prozent bleibt. Im Hafen von Paraná darf kein gv-Soja verladen werden. Soja aus Mato Grosso wird demnächst über den Amzonashafen Itacoatiara verladen werden.


Gentechnisch verändertes Saatgut

Das US-amerikanische Agro-Unternehmen Monsanto besitzt auf dem brasilianischen Markt eine Monopolstellung für gentechnisch verändertes Soja-Saatgut (Roundup Ready). Dieses zeichnet sich durch seine Toleranz gegenüber dem umstrittenen Herbizid Glisofat aus, welches ebenso von der Firma vertrieben wird. Ein weiterer Teil des brasilianschen Saatgutes stammt aus Argentinien und Paraguay und wurde bzw. wird von dort größtenteils illegal eingeführt.

Monsanto hat mit dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium eine Vereinbarung getroffen, die die Erhebung der Lizenzgebühren für gv-RoundupReady-Saatgut regelt. Anders wie in anderen Ländern üblich, werden diese nicht auf den Saatgut-Preis aufgeschlagen. Bei Anlieferung der Ernte überprüfen Verarbeiter oder Exporteur diese auf ihren GVO-Anteil und führen die Gebühren an Monsanto ab. Damit müssen auch diejenigen Landwirte zahlen, die geschmuggeltes Saatgut verwenden oder einen Teil der eigenen Ernte einbehalten und im Folgejahr erneut aussäen.


Gesetzliche Regelung

Die Problematik der Gentechnik und deren Einsatz insbesondere beim Anbau von Soja, wurde in der brasilianischen Öffentlichkeit in den letzten Jahren intensiv diskutiert. 1985 wurde ein Gesetz zur Biologischen Sicherheit (Lei de Biossegurança) verabschiedet, in dem die Rahmenbedingungen für Forschung, Produktion und Handel genetisch veränderter Organismen geregelt wurden. Der Anbau genetisch veränderter Sojasaat wurde damals generell verboten. Das Anbauverbot für gv-Sojabohnen wurde lange Zeit damit begründet, es gefährde die Exportchancen für gentechnik-freie Sojarohstoffe in Europa.

Über Argentinien und Paraguay ins Land geschmuggeltes genmanipuliertes Soja wurde jedoch illegal im Süden des Landes angebaut und erreichte einen Anteil von etwa 30 Prozent der Produktion. Damit wurden Fakten geschaffen, die politisch nicht ignoriert werden konnten. Anfang des Jahres 2003 stand die Regierung vor der Entscheidung, entweder den Vertrieb von 540000 Tonnen genmanipulierten Sojas zu tolerieren, oder diesen zu verbrennen. Die zweite Entscheidung hätte die Regierung, die sich mit dem Programm Fome Zero („Null Hunger“) dem Kampf gegen den Hunger verschrieben hat, wohl nur schwer rechtfertigen können. So kam es, dass das Verbot durch mehrere sogenannte Provisorische Maßnahmen (Medida Provisória) in den letzten Jahren so weit gelockert wurde, dass schließlich nur noch der Handel mit gentechnisch veränderten Samen illegal war. Der Aufforderung eine Selbstverpflichtung zur Verantwortung und Anpassung des Verhaltens (TAC: Termo de Compromisso, Responsabilidade e Ajustamento de Conduta) im Umgang mit genetisch verändertem Saatgut zu unterschreiben, kamen nur 30.000 Landwirte nach. Tatsächliche verwenden es jedoch wesentlich mehr. Um die genaue Anzahl von Landwirten ermitteln zu können, die gentechnisch verändertes Saatgut einsetzen, fehlt unter anderem eine Kontrollkompetenz auf regionaler Ebene.

Eine Reform des Gesetzes für Biologische Sicherheit wurde immer dringender, um die unsichere Gesetzeslage und das damit verbundene Kontrolldefizit zu beseitigen. Mit der Verabschiedung der Reform im März 2005 wurden Anbau und Handel von gentechnisch verändertem Saatgut schließlich legalisiert. Für den Anbau sind keine Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgesehen. Die Nationale Technischen Komission für die biologische Sicherheit (CTNBio –Comissão Técnica Nacional de Biossegurança) ist als einzige Institution befugt, die Sicherheit genetisch veränderter Produkte zu überwachen. Das bisherige Vetorecht einzelner Ministerien gegen Empfehlungen und Entscheidungen der CTNBio wurde eingeschränkt. Um einen besseren Verbraucherschutz garantieren zu können, wurde ein System zur genauen Beschriftung von GVO-Produkten eingeführt. Das Problem einer genaueren Erfassung des Anteils genetisch veränderten Sojas am Gesamtertrag besteht allerdings weiterhin, da sich nur wenige Landwirte bisher gemeldet haben und in den brasilianischen Bundesländern keine ausreichenden Möglichkeiten vorhanden sind, um den gesamten Sojaanbau erfassen und überprüfen zu können. Eine Eingrenzung des Anbaus von Gen-Soja wird dementsprechend schwierig und die Kennzeichnung von GVO-Lebensmitteln nur ungenau ausfallen.


Der Sojakönig

Blairo Maggi ist Gouverneur des Bundesstaates Mato Grosso, dem Hauptanbaugebiet für Soja in Brasilien, und der größte Sojaanbauer weltweit. Das Unternehmen André Maggi verfügt neben rund 140000 ha Soja, über zwei eigene Hafenanlagen, eine Flotte von Transportschiffen und ein eigenes Wasserkraftwerk.

Greenpeace macht Maggi zu einem Hauptverantwortlichen für die Zerstörung des brasilianischen Regenwaldes. Seit er an der Macht ist (ab Januar 2003), werden verstärkt Eingriffe in Gebieten, die als Schutzgebiete oder indigene Reservate für traditionelle Produzenten klassifiziert sind, registriert. Maggis Unternehmen verzeichneten allein im Jahr 2004 eine Erhöhung der Gewinne um 28% - damit wurde die 500 Millionen US-Dollar-Marke überschritten.


Umstrittenes Projekt

Die Regierung Lula hat nun das Projekt des Baus einer Fernverkehrsstraße durch das Amazonasgebiet wieder neu aufgelegt, die in den 1970er Jahren als Bestandteil der Transamazonica geplant war. Unter den an diesem Megaprojekt stark interessierten Unternehmen finden sich neben Maggi auch andere große Agrarkonzerne wie Bunge und Cargill. Die Verkehrsader soll Cuiabá in Mato Grosso mit dem Tiefwasser-Hafen von Santarém am Amazonas in Pará verbinden.

Von den 1.750 Kilometern sind bisher 800 Kilometer asphaltiert. Hauptargument der Regierung für die Durchsetzung dieses Projekts ist die Kostensenkung der Sojaausfuhr hin zu den externen Märkten (der Transport erfolgt bisher auf dem Wasserweg über die Madeira-Amazonas-Route zum Hafen von Itacoatiara, die erst 1997 eröffnet wurde), und zwar um bis zu 50%. Das entspräche einer jährlichen Einsparung von 40 Millionen US-Dollar.
Kritiker rechnen bei Realisierung des Straßenbaus mit verheerenden Folgen für die Umwelt und weiterer Verschärfung der sozialen Konflikte.