Kaffee
Der Kaffeeanbau hat in Brasilien eine lange Tradition. Nachdem die ersten Kaffeepflanzen im Jahr 1727 durch die Portugiesen nach Brasilien gelangten, sorgte der Kaffeeanbau während des 19. Jahrhunderts für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung im ganzen Land. Das Land wurde rasch zum weltweit grössten Kaffeeproduzent und behauptet diese Position bis heute. Insbesondere die Sorten Arabica und Robusta werden mit hoher Qualität produziert.
Kaffee ist eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Exportgüter des Landes. 30 Prozent des auf dem internationalen Kaffeemarkt gehandelten Kaffees werden in Brasilien produziert und in die USA so wie nach Europa und Asien exportiert. Die Exportmenge von grünem Kaffee betrug im Jahr 2004 1,4 Mio Tonnen im Wert von 1,75 Milliarden US$. Ein nicht unbedeutender Anteil der Exporte besteht aus löslichem Kaffee. Über ein Drittel der Ernte wird im Land selbst konsumiert.
Im Jahr 2005 wurden grüne Kaffeebohnen in Brasilien auf 2,3 Mio ha Fläche angebaut und erbrachte eine Gesamtproduktion von 2,18 Mio Tonnen. Die Anbaugebiete, der sogenannte “Kaffeegürtel” Brasiliens, zieht sich in den tropischen und subtropischen Gebieten durch die Bundessataaten Minas Gerais, São Paulo, Paraná und Espírito Santo. Diese vier Bundesstaaten erzeugen 98% des brasilianischen Kaffees. Dabei werden 75% der Erträge von Kleinbauern produziert.
Bericht TopAgrar 2005
Fazenda Taquara in Barra do Piraí im Bundesstaat
Rio de Janeiro
“Ankunft in Barra do Piraí, Betrieb Fazenda Taquara, bewirtschaftet von Joao und Ana Streva. Im 18. Jahrhundert gegründet, herrschaftliches Gut aus der Kolonialzeit, damals Sklaven als Arbeitskräfte. Zunächst Besichtigung der Kaffeeplantage (83 ha LF, netto 65 ha mit 150.000 Arabica-Kaffeesträuchern), die bis 2003 vier Jahre lang ökologisch bewirtschaftet wurde. Rückkehr zu konventioneller Produktion, da der Ertrag von 1.600 Sack/ha (x 60 kg = ca. 100 t/ha) auf 1.200 Sack/ha gesunken war. Fazit: Bio-Kaffee lohnt sich nicht, Verlust 100.000 $. Alle 2 Reihen Furche für Schweinegülle und Wasser, Düngung täglich: 13 Güllefässer x 3.000 l = 36 m³/Tag , Verteilung über 4-Zoll-Schläuche. Gülleausbringung gesamt 45 m3/ha/Jahr. Der pH-Wert der Böden liegt bei 6,7. Kosten für die sonst erforderliche Mineraldüngung ca. 300 Reais/ha. Kaffeepflanze trägt ab 2,5 Jahre, muss jedes Jahr geschnitten werden, kann bis zu 100 Jahre alt werden. Der Rückschnitt erfolgt nicht mehr 15 cm über dem Boden, sondern in 1,50 m Höhe, der Stamm bleibt stehen! Dadurch gibt es bereits wieder Ertrag nach 1,5 Jahren, nicht erst nach 2,5 Jahren. Wegen 525 m Höhenlage keine Rostkrankheiten. In höheren Lagen dauert das Reifen länger, dafür aber bessere Qualität. Temperaturspanne von 18° C bis 35 - 38° C, 1.500 mm Niederschlag.
Die Bohnen werden durch Abstreifen von Hand geerntet, sie fallen auf ein ausgebreitetes Tuch. Teilweise werden auch bereits Vollernter (Schütteln) eingesetzt. Es gibt 26 ständige Ak für den gesamten Betrieb (davon 6 bei den Schweinen), Verdienst 360 Reais/Monat und ein Haus zum Wohnen sowie 60 - 70 Erntehelfer (Familien), Entlohnung 6 cent/l gepflückte Bohnen. Eine Familie pflückt bis zu 800 l/Tag = 48 Reais/Tag. Wenn zum Ernteende weniger Bohnen hängen, werden 10 cent/l gezahlt. Ernte im März/April, bei ungleicher Abreife bis Mai. Sie dauert ca. 90 Tage. Der Ertrag einer Kaffeepflanze liegt bei 1,5 - 2 kg (Bohnen ohne Schale). Vor der Trocknung werden die Bohnen maschinell gewaschen, dabei Sortierung nach guter und schlechter Qualität (schwimmt oben). Die Früchte werden drei Tage auf Beton vorgetrocknet (auf befestigten Flächen mit 2% Gefälle hinter dem Herrenhaus), danach 60 Std. maschinelle Trocknung. Verkauf an örtliche Rösterei zu einem Preis von 200 Reais/Sack, teilweise auch Tausch: Für 60 kg Rohware (1 Sack) werden 35 kg gemahlener Kaffee zurück geliefert. Die Kaffeeschalen werden als Einstreu für die Schweine genutzt.” |