Baumwolle
Baumwolle wird hauptsächlich in den Bundesstaaten Mato Grosso, Bahia und São Paulo auf einer Gesamtfläche von 1,2 Millionen Hektar angebaut. Im Jahr 2005 betrug die Gesamtproduktion rund 1,3 Millionen Tonnen.
Heute wird Baumwolle als nachwachsender Rohstoff auf allen fünf Kontinenten der Erde angebaut. Die Baumwollpflanze liefert zum einen die Faser, zum anderen ein hochwertiges, pflanzliches Öl, das Baumwollsaatöl. Kultivierte Baumwollpflanzen produzieren durch Züchtung oder neuerdings auch durch genetische Manipulation mehr Fasern als die Wildpflanze und werden weltweit vorwiegend in tropischen und subtropischen, aber auch in trockenen, warmen Klimaregionen der gemäßigten Breiten angebaut. Führend in der Baumwollproduktion sind China, die USA, Indien, Pakistan, Usbekistan und Brasilien. Im Jahr 2010 wird ein weltweiter Baumwollverbrauch von 23,1 Millionen Tonnen vorhergesagt, das entspricht einem jährlichen Wachstum von 1,5 Prozent.
Auf der Verbrauchsseite liegt China weit vorn. Das Land ist der bedeutendste Importeur, reexportiert allerdings einen großen Teil seines Baumwollverbrauchs in Form von Textilien und Bekleidung. Beim Baumwollverbrauch liegt Indien an zweiter Stelle, gefolgt von Pakistan der Türkei, USA und Brasilien.
Steigende Preise für Baumwolle
Qualitativ hochwertige Baumwolle wird unter einem großen Aufwand an Betriebsmitteln wie Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Treibstoff und Wasser erzeugt. Durch steigende Kosten für diese Produktionsmittel verteuert sich die gesamte Produktion. Der Anreiz zu möglichst großen Erträgen schwindet daher ebenso wie der Anreiz, hochwertige Ware zu produzieren. Hinzu kommt, dass der für die Baumwollerzeugung erforderliche Aufwand in hohem Maße nicht nur die Umwelt, sondern auch das Produkt mit Stoffen belastet, die Erzeuger und Endverbraucher von Textilien und Bekleidung schädigen können. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Druck auf die Regierungen der Länder, in denen Baumwolle unter extrem gesundheitsschädlichen Bedingungen produziert wird (z.B. Indien) so weit zunimmt, dass die Produktion teuer genug wird, um über ein sinkendes Angebot höhere Preise zu erzwingen.
Der hohe Ölpreis liefert ein weiteres Argument für steigende Baumwollpreise. Rohöl ist der Grundstoff für synthetische Fasern, die in weiten Bereichen mit der Naturfaser konkurrieren. Im Moment werden 47% der Bekleidung aus Baumwolle hergestellt. Doch soll sie in Zukunft im Zuge eines weltweit gesteigerten Umweltbewusstseins, Mangel an Erdöl und steigender Nachfrage nach Naturprodukten an Bedeutung gewinnen.
Brasilien klagt vor der WTO
Die USA subventionieren ihre Baumwollproduktion jährlich mit Beträgen zwischen 3 und 4 Milliarden Dollar als Kompensation für den niedrigen Weltmarktpreis. Die ökonomischen Auswirkungen auf andere Länder sind beträchtlich. Der durch US-Subventionen verursachte Preisverfall auf dem Weltmarkt wird auf bis zu 12,6 Prozent beziffert.
Im September 2002 reichte Brasilien bei der WTO eine Klage gegen die USA ein, mit der Begründung, die Subventionierung des US-Baumwollsektors verstoße gegen WTO-Regeln.
Im April 2004 urteilte das Streitbeilegungsgremium der WTO (Dispute Settlement Body) zugunsten Brasiliens und verlangte die Abschaffung bestimmter Subventionen. Die USA sind dem bislang nicht nachgekommen. Ein entsprechender Vorschlag blieb im Oktober 2005 im Landwirtschafts-Komitee des amerikanischen Senats hängen. Brasilien fragte die WTO an, ob sie Sanktionen in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar verhängen dürften, woraufhin die USA mit dem Einfrieren von Handelspräferenzen in Höhe von zwei Milliarden drohten. Dies zeigt die Bedeutung und Schärfe der Verhandlungen, die in Hongkong in der dritten Runde fortgeführt werden.
Sollte Amerika gezwungen werden, die Subventionen zu verringern, hätte dies einen Rückgang des weltweiten Angebots an hochwertiger Baumwolle zur Folge, es sei denn, der Preis für die Faser würde so weit steigen, dass die amerikanischen Farmer Baumwolle unter weitgehend weltmarktwirtschaftlichen Bedingungen erzeugen könnten.
Es wird erwartet, dass Brasilien seine aktuelle Produktion deutlich steigern wird, abhängig von der Entscheidung der WTO und der Aufhebung der Beschränkung für transgene Baumwollsamen.
Ökologische Probleme
Die großflächige Baumwollindustrie gilt aus Umweltsicht als sehr bedenklich, da sie den höchsten Einsatz an Düngemitteln und Insektiziden beansprucht. Auf Baumwolle entfallen etwa 25% des weltweiten Insektizid- und 10% des Pestizidmarktes. Auch der Wasserverbrauch ist als sehr problematisch zu sehen.
Mittlerweile gibt es auch Bio-Baumwollprodukte aus ökologischem Anbau, allerdings mit einem Anteil von nur 0,1% am Weltmarkt.
Fast drei Viertel der gesamten Baumwollproduktion stammen von künstlich bewässerten Flächen. Herkömmliche Bewässerungssysteme sind oft wenig angepasst und arbeiten ineffektiv. Durch angepasste Techniken, wie Tröpfchenbewässerung oder Beregnungsanlagen könnten große Wassermengen eingespart, und der Wasserverbrauch beim Baumwollanbau stark verringert werden. Derartige Anlagen machen jedoch weltweit noch weniger als ein Prozent aus.
Bt-Baumwolle in Brasilien
Durch großangelegte gv-Baumwollproduktion könnten in Brasilien schätzungsweise 15 bis 30 Prozent der Produktionskosten durch Reduktion der Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Bt-Baumwollsamen werden von kommerziellen Saatgutfirmen vertrieben und angeblich sollen Sorten von Roundup-ready Baummwolle ab 2008 legal erhältlich sein. |