Aktuelles
20. Oktober 2011
Kundenkommentar:
Agrarunternehmer in Brasilien
Die Brasilien-Reise der Bundeslehranstalt Burg Warberg, Schulungs­stätte des privaten Agrarhandels in Deutschland, Warberg bei Helmstedt, reiht sich positiv in das umfangreiche Aus- und Fortbildungsangebot der Burg ein. Der Fachteil der Reise traf das Interesse der Teilnehmer an der agrarischen Entwicklung Brasiliens sowohl im Bereich der Veredelungswirtschaft als auch aus pflanzenbaulicher Sicht. Das lag an der wohlüberlegten Wahl der besuchten Betriebe auf Erzeuger- und Handelsebene und der Zuliefer- und Verarbeitungsbranche als auch an der fach- und ortskundigen und erfahrenen Führung der Gruppe durch den Reiseleiter Peter Rohmer von terra brasil.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Reise nicht an endlosen Fachdiskussionen von Anfang bis Ende "erstickte", sondern Raum für die landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten und Schönheiten dieses großen und historisch interessanten Landes gelassen hat. Da die Reiseroute hauptsächlich auf den Süden Brasiliens begrenzt war, bleiben noch Ziele für weitere Besuche, die in andere Regionen führen und nicht weniger fachlich und touristisch interessant sein dürften als die Reise im Februar/März 2011.

Gerhard Gold
Journalist
Gelnhausen
2. Dezember 2010
Klimawandel und Folgen für Brasilien
Dass das Klima bereits seit einiger Zeit ausser Kontrolle geraten ist, zeigt sich weltweit an Überschwemmungen, extrem harten Wintern, Hitzewellen und immer stärkeren Orkanen. Laut einer gestern veröffentlichten Prognose der Weltorganisation für Metereologie (WMO) werden diese Phänomene öfter in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten sein. 2010 war schon das heisseste Jahr seit Beginn der Messungen, die nächsten sollen das Thermometer weiter steigen lassen. Ghassam Asrar, Direktor des Weltklima Forschungsprogramms (WCRP) der WMO bat nun die Länder auf der 16. Klimakonferenz im mexikanischen Cancún, ihre Infrastruktur so weit zu verbessern, dass sie gegen extreme Wetterbedingungen gewappnet sind.

Die britische Beratungsfirma Maplecroft stellte im Oktober ein Ranking der durch den Klimawandel verletztlichsten Länder auf, bei dem Brasilien an 81. Stelle von 170 mit der Einstufung "hohes Risiko" erschien. Matthew Bunce, einer der Forscher der Studie, warnte vor bemerkenswerten Veränderungen der klimatischen Parameter Brasiliens wie Niederschlagsmenge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den kommenden 30 Jahren. Demnach sind die östlichen Regionen des Landes stärker von den Risiken des Klimawandels betroffen und für Überschwemmungen und Dürren anfällig. Extreme Veränderungen werden zwar nur für etwa 30% des brasilianischen Territoriums vorausgesehen, jedoch leben in eben dieser Region grosse Teile der Bevölkerung. Das Brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) hat bereits seine vor drei Jahren abgegebenen Prognosen zum Klimawandel korrigieren müssen. Der vorgesehene Temperaturanstieg bis 2010 um bis zu 4 Grad Celsius in Amazonien wurde auf 5 Grad Celsius in der Region Norden erhöht, während im Süden die Thermometer nur bis zu 3 Grad Celsius steigen werden.

Klimatologe José Marengo vom INPE erklärte nun, die Durchschnittstemperatur würde bis 2050 um mehr als drei Grad Celsius in grossen Teilen Brasiliens steigen und damit eine Reihe von Veränderungen auslösen. Die Caatinga würde sich in eine Wüste verwandeln, der Amazonas-Regenwald weiter zurückgehen und schwere Dürren durchmachen, bei denen diverse Arten aussterben würden. Im Süden dagegen würde sich die Niederschlagsmenge erhöhen und die Städte mit Überschwemmungen und Erdrutschen bedrohen.
17. September 2010
Sadia vor Arbeitsgericht verklagt
Millionen Schadenersatz und anerkanntes Arbeitsverhältnis für 1200 Geflügelzüchter

Florianópolis - Das Arbeitsministerium des Bundesstaates Santa Catarina erhob gestern Klage gegen den Sadia-Konzern, damit er das Arbeitsverhältnis mit den rund 1200 Landwirten des Bundesstaates anerkennt, die für das Unternehmen als integrierte Geflügelzüchter arbeiten. Gleichzeitig wurde eine Ersatzleistung für immaterielle kollektive Schäden in Höhe von umgerechnet Euro 8,7 Millionen gefordert. Laut Staatsanwalt Sandro Eduardo Sarda gebe es zwar einen Vertrag, der die Regeln des integrierten Produktionssystems festlege, aber es existiere eine Beziehung der Unterordnung der Züchter unter die Industrie: „Zweifellos besteht ein Arbeitsverhältnis zwischen Sadia und den Geflügelzüchtern, allein schon wegen der Lohnzahlung und der persönlichen Arbeit. Dazu kommt noch die rechtliche, technische und strukturelle Unterordnung, da sie nach den von dem Unternehmen aufgestellten Kriterien produzieren müssen.“

Sadia erklärte, der Konzern würde sich momentan nicht zu dem Thema äussern. Auch der Geflügelzüchterverband von Santa Catarina (ACA) kommentierte nicht die Initiative des Arbeitsministeriums.

Die Staatsanwaltschaft forderte ausserdem für den Fall, dass die Justiz die Existenz des Arbeitsverhältnisses anerkenne, die Angleichung der von Sadia bezahlten Preise an die vom brasilianischen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut Embrapa errechneten Kosten des integrierten Produktionssystems. Die liegen bei umgerechnet Euro 3000,00 für je 12.000 Hähnchen, bei einer Zuchtzeit von 45 Tagen, einschliesslich der Dienstleistung des Züchters sowie der Kosten für Wasser, Strom und Instandhaltung der Höfe. Das Geflügel, Futter, die Versorgung und die sanitäreKontrolle der Zucht werden bereits von Sadia bezahlt. Doch laut Staatsanwalt Sardo haben bei 3.843 Zahlungsanweisungen durch Sadia nur 27% der Züchter den Mindestwert von umgerechnet Euro 3000,00 erhalten: „Dieses integrierte Produktionssystem führt so zur Verarmung und zu Gesundheitsproblemen dieser Menschen.“
10. September 2010
Hähnchenfleischexporte Brasiliens rekordverdächtig
Brasiliens Hähnchenfleischexporte sind auf dem besten Weg alle Rekorde zu brechen. Laut Bericht des Brasilianischen Geflügelzuchtverbands Ubabef wurden von Januar bis August diesen Jahres 2,513 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch ins Ausland geschickt, ein Anstieg um 3,63% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Allein im vergangenen Monat konnte die Branche einen Umsatzzuwachs von 15,57% verzeichnen: 348 100 Tonnen wurden exportiert gegenüber 301 200 Tonnen im August 2009. Die Erholung der internationalen Märkte ermöglicht nun ein diesjähriges Wachstum der Branche von bis zu 5%, die damit wieder ihr Niveau vor der Wirtschaftskrise zurück erlangt.

Was die Exportmenge angeht, verspricht 2010 sogar das beste Jahr in der Geschichte der Hänhchenfleischausfuhr zu werden – 2008 wurden insgesamt 3,6 Millionen Tonnen exportiert. „Das Resultat ist die Folge der Preiserholung nach der Krise von 2008 und der Rückkehr zum normalen Konsum“, erklärt der Präsident des Ubabef, Francisco Turra.
1. September 2010
Brasilien und Argentinien wollen vereint Märkte erobern
Südamerikanische Nachbarn unterzeichnen Vereinbarung für gemeinsame Aktion zur Exportförderung

Brasília - Nach dem Scheitern der Doha-Runde zur Liberalisierung des Handels in der Welthandelsorganisation (WTO) zeigten sich Brasilien und Argentinien überzeugt, dass die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auch weiterhin das Sagen in internationalen Verhandlungen haben werden, und beschlossen, ihre Kräfte im Wettlauf um neue Märkte zu vereinen. Dabei sollen vor allem die Brasilien und Argentinien auferlegten Einfuhrbeschränkungen für frisches Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch bekämpft werden. Um die gemeinsame Aktion zu formalisieren, wird heute in einer beispiellosen Initiative in Buenos Aires eine Absichtserklärung zwischen den beiden Ländern vom argentinischen Landwirtschaftsminister, Julián Dominguez, und dem Exekutivsekretär des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums, Gerardo Fontelles, unterzeichnet. Anlass ist die Vorstellung des strategischen, agro-alimentären und industriellen Wirtschaftsplans der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner.

Brasilianische Exporteure sind beispielsweise von einem jährlichen US$ 19,1 Milliarden Markt ausgeschlossen, was der Summe entspricht, für die die Hauptimporteure der Welt, die brasilianisches Frischfleisch ganz oder teilweise nicht zulassen, im Jahre 2008 einkauften. Dazu zählen etwa Japan, die USA, Russland, Mexiko, Südkorea, Kanada und China. Andrererseits verkaufte Brasilien, einer der grössten Fleischexporteure der Welt, USD 11 Milliarden im Jahre 2008, das weniger von der internationalen Finanzkrise als 2009 betroffen war und damit 2010 ähnlicher ist.

Laut Célio Porto, Sekretär für Internationale Beziehungen des Landwirtschaftsministeriums, verhandelt Brasilien bereits mit Japan, Korea, den USA und China über die Öffnung dieser Märkte bis zum Jahresende. Mit der argentinischen Verstärkung jedoch könnten auch die Russen überzeugt werden, ihre Fleischimporte generell zu erhöhen. Russland möchte der WTO beitreten und muss dafür ihren Mitgliedern Zugeständnisse machen. „Es ist klar, dass die USAVorzug im Verkauf von Hähnchen haben und die Europäer bei Schweinen. Wir müssen für einen höheren Anteil kämpfen“, erklärte Porto.

Nach Einschätzung des Geschäftsführenden Direktors des Business Council in Lateinamerika, Alberto Pfeifer, ist die Massnahme Beginn eines Integrationsprozesses. Über die Zusammenarbeit und den Austausch von Informationen und Technologien hinaus könnten Brasilien und Argentinien mit der Absichtserklärung die Durchführung von koordinierten Massnahmen zur Produktion und Verteilung von Lebensmitteln, einschliesslich der Verhandlungen mit den Käufern sowie tariflicher und anderer Fragen erreichen. „Das hätte schon früher geschehen sollen. Das wird eine kräftige Weiterentwicklung geben und wir hoffen, dass zukünftig beide Länder gemeinsam aktiv werden, um die Ernte, besonders Sojabohnen, in einer integrierten Art und Weise zu verkaufen“, sagte Pfeifer.

Der Präsident des brasilianischen Schweinefleisch-Exportverbands, Pedro Camargo, kritiserte die Massnahme als haltlos: „Argentinien arbeitet gegen die Exporte, indem es Steuern auf den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse erhebt. Unsere Makroökonomie unterscheidet sich von der argentinischen.“



Brasil Foods exportiert in Schwellenländer

Der Fleisch- und Lebensmittelkonzern Brasil Foods, im vergangenen Jahr durch die Fusion der Konkurrenten Perdigão und Sadia gebildet, wird laut Präsident José Antonio do Prado Fay angesichts der geringen Wachstumsperspektive der Europäischen Union (EU) seine Exporte auf die Märkte von Schwellenländern in Afrika und Eurasien umleiten. Im ersten Halbjahr hatte der Verkauf in die EU 21% Anteil am Gesamtverkauf und lag damit unter dem von 29% in den Mittleren Osten.
29. April 2010
Brasiliens Zuckerrohrernte 2010/2011 steigt um 10% auf 664,3 Millionen Tonnen
Brasiliens Zuckerrohrernte soll nach Schätzungen der Nationalen Versorgungsgesellschaft Conab in der kommenden Saison 2010/2011 mit 664,3 Millionen Tonnen 10% über der diesjährigen liegen. Davon würden 301,5 Millionen Tonnen zu Zucker verarbeitet werden und 362,8 Millionen Tonnen zu Ethanol. Die Zuckerproduktion solle demnach um 17% auf 38,7 Millionen Tonnen steigen, während die Gesamtproduktion von Ethanol (des reinen und des hydrierten) 38,5 Milliarden Liter erreichen werde, 10,6% mehr als bei der vergangenen Ernte. Die Techniker der Conab, die die Hauptanbauregionen Brasiliens zwischen dem 28. März und dem 16. April besuchten, erklärten den Produktionsanstieg vor allem durch das gute Klima sowie den adäquaten Einsatz von Technologie. Die durchschnittliche brasilianische Produktivität wird auf 82,1 kg Zucker pro Hektar geschätzt, 0,6% mehr als bei der letzten Ernte. In praktisch allen Bundesstaaten, die Zuckerrohr pflanzen, wurde eine Vergrößerung der Anbauflächen verzeichnet. Der größte Anstieg kann im Bundesstaat São Paulo beobachtet werden, der seine Zuckerrohrpflanzungen um 267.600 Hektar erweitert hat. Brasilien wird die gesamte Anbaufläche dieses Jahr voraussichtlich um 681.900 Hektar vergrößern.
28. April 2010
Farmer protestieren in Brasília gegen „Roten April" der Landlosenbewegung MST
Farmer aus ganz Brasilien demonstrierten gestern in Brasília für den Frieden auf dem Land. Die Produktoren forderten einen Nationalen Plan zur Bekämpfung der Invasionen von Farmen, eine der Formen, mit der die Landlosenbewegung MST für eine weitreichende Bodenreform kämpft. Der Vorschlag wurde am 13. April von der Senatorin und Vorsitzenden der Konföderation für Land- und Viehwirtschaft (CNA), Kátia Abreu, an das Justizministerium geschickt. Die Aktion richtet sich gegen den sogenannten „Roten April“, die Demonstrationen der Landlosen, die traditionell jedes Jahr im April stattfinden, um an die 19 Landarbeiter zu erinnern, die am 17. April 1996 in Eldorado do Carajás im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará bei einer Protestveranstaltung von der Militärpolizei getötet wurden. Bei der diesjährigen Kampagne wurde der Sitz der Incra, des Nationalen Instituts zur Kolonisierung und Agrarreform, in Brasília besetzt sowie die Institute in São Paulo, Rio de Janeiro, Pará, Piauí und Paraíba. Daneben wurden 25 Farmen in Pernambuco, 15 in Bahia, 11 in São Paulo, 5 in Paraíba, 4 in Sergipe, 2 in Alagoas, 2 in Ceará und jeweils eine in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina, Minas Gerais und Mato Grosso do Sul besetzt. In letzter Zeit sah sich die MST allerdings zunehmender Kritik ausgesetzt. So kostete sie die gewaltsame Zerstörung einer Orangenplantage im Bundesstaat São Paulo im vergangenen Jahr viel öffentliche Sympathien. Laut der Vorsitzenden der CNA würden die Besetzungen der Farmen nicht nur die Landbesitzer schädigen, sondern alle Brasilianer. Allein in Mato Grosso sei ein Gebiet von der Größe des Bundesstaates Sergipe von den Landlosen besetzt, was den Staat jährlich R$ 850 Millionen, umgerechnet rund Euro 370 Millionen, koste.
27. April 2010
Geschäftsverbindungen, Existenzgründung
Juniorpartner für Reiseveranstalter in Rio de Janeiro gesucht
Wir sind seit über 20 Jahren im Markt. Der derzeitige Besitzer möchte aus Altersgründen langsam Rückzugsbewegungen einleiten und sucht einen Partner zur Führung und Weiterentwicklung und eventuell Übernahme des Unternehmens.

Unsere Aktivitäten erfordern neben dem nötigen Fachwissen, eine jüngere Persönlichkeit ( 30-50 )die mit offenem Geist und Dynamik, Empfindsamkeit und Veständnis für die Besonderheiten bei Land und Leuten, Liebe zur Natur und dem Wunsch etwas Besonders leisten und bieten zu wollen, den Erfolg sucht.

Über einen ersten Kontakt würden wir uns freuen:

benjamin@camelo-film.org
26. April 2010
Farmer im Westen Bahias arbeiten professioneller und treiben das Agrobusiness voran
Soja-, Mais- und Baumwollplantangen so weit das Auge reicht glauben viele nur in Mato Grosso finden zu können, doch traditionell weniger landwirtschaftlich orientierte Bundesstaaten wie Bahia haben inzwischen für eine Veränderung des brasilianischen Agrobusiness gesorgt. In den letzten Jahrzehnten hat das Land globale Macht in der Landwirtschaft erreicht und ist heute der grösste Exporteur verschiedener landwirtschaftlicher Produkte, darunter Rindfleisch, Geflügel, Orangensaft, grüner Kaffee, Zucker, Äthanol, Tabak und Sojabohnen, -öl und –schrot sowie der viertgrößte Exporteur von Mais und Schweinefleisch.

In der Nähe der Stadt Luiz Eduardo Magalhães in Bahia produzieren neuerdings viele Farmer aus dem Süden des Landes, wo ihre Familien 40 bis 50 Hektar bepflanzten. Hier haben ihre Landgüter Zehntausende, wenn nicht gar Hunderttausende von Hektaren. Aus dem Süden haben sie die moderne Technologie sowie die weiter nördlich oft fehlende effektive Verwaltung mitgebracht, die eine korrekte Abrechung gegenüber ausländischen Investoren ermöglicht.

Diese Investoren wollen hundertprozentige Garantie über das Eigentum des Landes und darüber, dass die Farmer die Umwelt- und Arbeitsgesetze befolgen, dass sie gute Beziehungen zur Gemeinde haben und versuchen, sich vor Preisschwankungen je nach Ernte und Wechselkurs zu schützen.

Vor allem während der Millitärdikatur der Sechziger bis Mitte der Achtziger Jahre wurden solche Maximen kaum beachtet und Teile der amazonensischen Wälder einfach besetzt und abgeholzt. Die Viehzucht machte dabei den Vorreiter, hauptsächlich in den zentralen Bundesstaaten wie Mato Grosso bis hin zum südlichen Amazonasbecken. Im flachen und niederschlagsreichen Mato Grosso war der Erfolg besonders groß. Bis heute können dort die Farmer dreimal pro Jahr ernten und wechseln zwischen Sojabohnen, Mais und Baumwolle. Doch die Logistikprobleme der exportorientierten Agroindustrien reduzieren ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit: Soja aus Mato Grosso wird auf schlechten Straßen 2000 km weit zu den Häfen im Südosten Brasiliens transportiert.

In der Region von Luiz Eduardo Magalhães, im Westen Bahias, gibt es weniger, aber vorversehbare Niederschläge. Die Farmer ernten nur zweimal pro Jahr und wechseln wie in Mato Grosse zwischen Soja, Mais und Baumwolle. Der gesamte Mais jedoch wird vor Ort konsumiert. Die Region ist relativ arm und wächst nun im Rhythmus von China, mit dem steigenden Einkommen steigt auch der Lebensmittelkonsum.

Der Westen Bahias hat in letzter Zeit immer mehr auch das Interesse ausländischer Investoren geweckt. Einer davon ist die Agrifirma Brazil, ein britischer Fonds, der von Lord Rothschild und Jim Slater unterstützt wird. Die Gesellschaft besitzt 42.000 Hektar Land in der Region von Luiz Eduardo Magalhães, von denen 11.000 bepflanzt sind. Zu ihrem Geschäftsmodell gehört es, neue Verwaltungsnormen auf den bereits funktionierenden Farmen durchzusetzen, die sie kauft, und diese Regeln auch in neuen Bereichen anzuwenden. Das nachhaltige Modell der Agrifima besteht laut Operationsdirektor Araújo Rodrigues darin, sich um die drei „PS“ zu kümmern: um die Produktivität, die Personen und den Planeten: „Wir haben eine viel bessere Verwaltung, wenn wir die Umwelt und die Menschen respektieren und dabei die Produktivität und Lukrativität betonen.“ In der Praxis bedeutet das, strikt die Umwelt-und Arbeitsrechtsgesetze zu beachten und in der Schulung die besten Praktiken auf den Gebieten der Verwaltung, der Pflanzung und der Finanzen anzuwenden. Vergangenen Monat konnte die Agrifirma einen Aktienverkauf im Wert von USD 25 Millionen abschließen, womit sich der Gesamtwert des Unternehmens der letzten zwei Jahre auf USD Millionen 179 erhöhte.
20. April 2010
IWF schätzt Entwicklung des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts konservativ ein
Ilha de Comandatuba - Der Präsident der brasilianischen Zentralbank, Henrique Meirelles, erklärte heute auf dem 9. Unternehmerforum auf der Insel Comandatuba, Bahia, der Internationale Währungsfonds habe das diesjährige brasilianische Wachstum konservativ eingeschätzt. Laut Meirelles dürfte das Brasilianische Brutto-Inlandsprodukt nicht nur die vom IWF vorausgesehenen 5,5% wachsen, sondern bei 5,8% liegen. Im Januar hätte der IWF gar eine Prognose von nur 4,7% abgegeben, die bereits korrigiert werden musste. Der Optimismus lasse sich mit der Konsistenz der brasilianischen Wirtschaft begründen. Zwischen 2003 und 2008 seien 25,9 Millionen Brasilianer zur Mittelklasse aufgestiegen. Und 19,4 Millionen hätten die unterste Wirtschaftsklasse verlassen könnnen. „Wir haben den Teufelskreis der Vergangenheit durchbrochen. Heute ist das Risiko der zu hohen Inflation durch die wirtschaftliche Voraussehbarkeit reduziert.“ Meirelles betonte außerdem, wie wichtig die ausländischen Investoren in der brasilianischen Wirtschaft seien.

REISEN nach BRASILIEN

Ob Landwirtschaftliche Fachstudienreisen, Geschäftsreisen, Urlaub mit ausgewählten kulturellen Inhalten, Natur-und Forschungsreisen, Amazonasexpeditionen, Reiterreisen, lasssen Sie sich von uns beraten. Wir sind seit über 30 Jahren in Brasilien aktiv.
7. April 2010
Curitiba als Nachhaltigste Stadt der Welt des Jahres gewählt
Stockholm, 7. April 2010 - Die brasilianische Stadt Curitiba wurde heute ausgewählt, den Globe Award Sustainable City 2010 zu erhalten. Den Preis vergibt das Globe Forum, ein schwedisches Business-Netzwerk für Nachhaltiges Wachstum. „Ich gratuliere Curitiba zum angesehenen Titel der nachhaltigsten Stadt 2010. Es ist eine sehr solide Siegerin mit einer ganzheitlichen Städteplanung, die alle strategischen Mittel mit Innovation und zukünftiger Nachhaltigkeit verbindet“, sagte der Vorsitzende der Jury, Jan Sturesson vom Weltwirtschaftsforum, zur Wahl der Stadt. Die Jury erklärte ihre Motivation wie folgt: „Der ganzheitliche Ansatz, mit der die Stadt auf die Herausforderungen der Nachhaltigkeit eingegangen ist, ist gut abgesteckt und organisiert, um eine starke und gesunde Gemeinschaft zu schaffen, die die Umweltfrage mit anderen Dimensionen wie der intellektuellen, kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen integriert. Das Hauptprogramm, das Curitiba vorgestellt hatte, ist das der „Biostadt“, die alle städtischen Aktionen der Umweltfrage unterwirft. Diese Politik der langfristigen Stätdplanung, des Umweltschutzes, der Anlegung von Parks und der Umwelterziehung begann bereits vor Jahren und wurde nicht unterbrochen. Deswegen hat Curitiba heute mehr als 50 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner. Die Siegesstatuette wird am 29. April im Nordischen Museum von Stockholm bei einem Galadinner dem Bürgermeister Curitibas, Luciano Ducci, übergeben werden.
12. März 2010
2009: Rekordabsturz in der Landwirtschaft
Laut dem Statistischen Bundesamt (IBGE) ist die Landwirtschaft Brasiliens der einzige Wirtschaftszweig der noch nicht auf die weltweite Finanz-und Wirtschaftsrise reagiert hat.

Im Vergleich lag das Ergebnis des letzten Quartals 2009, 4.6% unter dem des Vorjahres und trug damit wesentlich zu einem negativen Gesamtergebnis für 2009, von 5.2%, bei. Das ist das schlechteste Ergebnis in der Landwirtschaft seit 1986, als der Sektor um 8% schrumpfte.

Neben Viehzucht und Forstwirtschaft waren diese Produkte waren von dem schlechten Ergebnis in 2009 betroffen: Soja (-4.8%), Mais (-13.5%), Café (-12.8), Zitrus (-0.3%).

Der einzige Lichtblick zeigte sich bei Zuckerrohr mit einem Zuwachs von 5.8%.

Quelle: IBGE, Instuto Brasileiro de Geologia e Statistica
23. Februar 2010
Brasilien wird zum zweitgrößten Anbauer gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit
Mit einem Zuwachs von 35,4% gegenüber 2008 rückte Brasillien im vergangenen Jahr erstmals zum weltweit zweitgrößten Anbauer gentechnisch veränderter Pflanzen vor. Die brasilianische GVO-Anbaufläche liegt nun laut heute veröffentlichten Daten des International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (Isaaa) mit 21,4 Millionen Hektar knapp vor der argentinischen (21,3 Millionen Hektar). Spitzenreiter bleiben nach wie vor die USA, die auf 64 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen. Der Vormarsch Brasiliens, das nun 16% der 134 Millionen Hektar der weltweiten GVO-Anbaufläche aufweist, beruht vor allem auf der Akzeptanz von gentechnisch verändertem Mais.

Brasilianische Sojabohnen gehören bereits zu 71% zu den GVO, Mais zu 31% und Baumwolle zu 16%. Produziert werden diese Pflanzen besonders in den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina, Paraná, São Paulo, Minas Gerais, Mato Grosso do Sul, Mato Grosso, Goiás, Bahia, Piauí, Maranhão e Tocantins.

Laut Bericht des Isaaa wurden gentechnisch veränderte Pflanzen bezeichnenderweise zu 90% von armen Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern angebaut.
2. Februar 2010
Joint Venture im Volumen von 12 Milliarden Dollar zwischen Cosan und Shell
Der größte brasilianische Zucker- und Ethanolproduzent Cosan konnte sich bis auf weiteres von den Anklagen, Sklavenarbeit zu nutzen, freimachen und plant nun mit dem britisch-niederländischen Ölkonzern Royal Dutch Shell einen Joint-Venture-Vertrag im Volumen von 12 Milliarden Dollar zu schließen. Das fusionierte Unternehmen werde laut Cosan 4500 Tankstellen in Brasilien betreiben und der drittgrößte Treibstoffverteiler des Landes sein. Shell will mit dem Abkommen seine Biobrennstoffgeschäfte in Brasilien ausweiten, während Cosan dabei ist, sein Verteilergeschäft auszubauen. Die beiden Giganten haben nun 180 Tage Zeit, um den Vertrag zum Abschluss zu bringen.
5. Februar 2010
BASF darf gentechnisch veränderte Sojabohnen in Brasilien anbauen
Der deutsche Chemiekonzern BASF erklärte heute, er habe erstmals eine Genehmigung erhalten, gentechnisch veränderte Pflanzen in Brasilien kommerziell anzubauen. Zugelassen wurde die Pflanzung seiner gemeinsam mit dem brasilianischen Agrar-Forschungsinstitut Embrapa entwickelten herbizidtoleranten Sojabohnen. Die gentechnisch veränderten Sojabohnen, die auf den Markennamen „Cultivance“ getauft wurden, sollen ab 2011/2012 angepflanzt werden. Geplant sind außerdem Exporte in andere südamerikanische Länder, sowie in die Europäische Union und nach China. BASF hat bereits andere gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt wie etwa die Stärke-Kartoffel „Amflora“, die jedoch seit 14 Jahren vergeblich auf die Zulassung zum kommerziellen Anbau in der EU wartet. Daneben versucht der Konzern seinen gegen Dürren resistenten Mais, zusammen mit dem nordamerikanischen Unternehmen Monsanto entwickelt, in den USA zu verkaufen.
8. Januar 2010
Agribusiness: brasilianische Exporte 2009 um 9,8% gegenüber 2008 gesunken
Die Exporte landwirtschaftlicher Produkte fielen 2009 laut brasilianischem Landwirtschaftsministerium um 9,8% gegenüber dem Vorjahr und erreichten eine Gesamtsumme von USD 64,7 Milliarden. Der Rückgang ist auf fallende Preise während der internationalen Finanzkrise zurückzuführen, da das Volumen der Exporte praktisch stabil gegenüber dem Jahr 2008 war. Dies soll nun dieses Jahr nach Voraussagen des Landwirtschaftsministers Reinhold Stephan um rund 5% steigen. Die Importe landwirtschaftlicher Produkte sanken 2009 dagegen um ganze 16,9%, von einem Wert von USD 11,8 Milliarden im Jahre 2008 auf USD 9,8 Milliarden. Der Rückgang der Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse war geringer als der anderer brasilianischer Produkte, der insgesamt 30% betrug ! Der Anteil des Agribusiness an den brasilianischen Exporten stieg damit von 36,3% (2008) auf 42,5% (2009), davon Sojaerzeugnisse (26%) Rind-und Schweinefleisch (18%), Zucker und Ethanol (15%). Grösster Exportmarkt war im vergangenen Jahr Asien (30,4%) vor der Europäischen Union (29,3%).
8. Januar 2010
Brasilianische Entwicklungsbank kürzt Kredite des Zuckerrohrproduzenten Cosan wegen sklavereiähnlichen Arbeitsbedingungen
Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES kürzte gestern vorerst die Kredite an den grössten Zucker- und Ethanolproduzenten des Landes, das Unternehmen Cosan. Die Entscheidung des Staatsbank begründet sich mit dem Eintrag der Cosan in die sogenannte „schmutzige Liste“ des Arbeitsministeriums, auf der Unternehmen stehen, die ihre Arbeiter unter menschenunwürdigen, sklavereiähnlichen Bedingungen halten. Die Aktie des Zuckerrohrproduzenten verlor daraufhin 5,3 Prozent an Wert. Die BNDES erklärte, sie schliesse erst neue Verträge mit der Cosan, nachdem diese von der Liste gestrichen sei, was jedoch frühestens nach zwei Jahren möglich ist oder auf Gerichtsentscheid und auch nur, sofern keine Wiederholungsdelikte vorliegen. Ein Sprecher der Petrobras verkündete, dass der Ölkonzern erwäge, die Cosan von seiner Lieferantenliste zu streichen. Das Unternehmen beliefert derzeit das Tankstellennetz von Petrobras mit Ethanol-Sprit. Auch Shell forderte eine offizielle Erklärung von seinem Ethanolproduzenten. Die Cosan verteidigte sich mit der Aussage, dass ein Subunternehmer für die menschenunwürdigen Verhältnisse der Arbeiter verantwortlich gewesen sei. Der Zuckerrohrproduzent wurde am 31. Dezember 2009 auf die Liste gesetzt. Ausschlaggebend dafür war eine Kontrolle des Arbeitsministeriums im Juni 2007 auf Pflanzungen des Unternehmens an der Grenze der Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais.
19. Mai 2009
Fusionsvertrag zwischen den zwei Giganten der brasilianischen Lebensmittelindustrie unterzeichnet
Nach jahrelangen Verhandlungen wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag, Mai 17./18., der Fusionsvertrag zwischen den zwei Giganten der Brasilianischen Lebensmittelindustrie Perdigão und Sadia unterzeichnet.Das neue Unternehmen, nach JBS Friboi, grö;ßte Lebensmittelindustrie, nach Petrobras und Vale do Rio Doce drittgrößtes Exportunternehmen Brasiliens, weltweit größter Produzent und Exporteur von verarbeiteten Fleischprodukten, nimmt nunmehr die 10. Stelle aller Lebensmittelindustrien Amerikas ein. Der Riese beschäftigt 119.000 Angestellte und produziert in 42 Fabriken und Anlagen. Vom Gesamtumsatz von Reais 22Mio, entfallen Reais 10Mio auf den Export.
14. April 2009
Brasilianer machen Milliardenumsatz mit Geflügelproduktion nach islamischer Tradition
Brasilianische Geflügelproduzenten und Schlachthäuser haben in letzter Zeit verstärkt ein Auge auf den Milliardenmarkt im Nahen und Mittleren Osten geworfen. Mit der Einhaltung islamischer Lebensmittelvorschriften lassen sie sich ihre Produkte als “Halal-Food“ zertifizieren. Das Halal-Label einer Ware ist dabei Voraussetzung, damit sie überhaupt in muslimischen Ländern zugelassen werden kann.

Bei mittlerweile1,3 Milliarden Moslems weltweit sind heute bereits 70% des globalen Geflügelmarktes nach dem Halal-System ausgerichtet. Der brasilianische Lebensmittelhersteller Sadia hat sogar seine gesamte Produktion den Richtlinien der arabischen Welt angepasst.

Laut der Brasilianischen Vereinigung der Hähnchenproduzenten und –exporteure ABPEF haben die brasilianischen Geflügelexporte in den Nahen und Mittleren Osten im vergangenen Jahr die Marke von einer Million Tonnen überschritten. Das ist fast ein Drittel aller exportierten Hähnchen mit einem Umsatz von USD 1,9 Milliarden.
14. April 2009
Alysson Paulinelli verwandelt Cerrado in Kornkammer Brasiliens
Als einer der herausragenden Persönlichkeiten des brasilianischen Agrobusiness wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Dinheiro Rural“ Alysson Paulinelli präsentiert. Der Agronom aus Minas Gerais war in den 70er Jahren von General Ernesto Geisel während der Militärdiktatur dazu berufen worden, die Region des Cerrado zu besiedeln. Paulinelli erfüllte nicht nur seine Mission, sondern verdoppelte auch die brasilianische Getreideproduktion in rund 20 Jahren von 40 auf 80 Millionen Tonnen. Der Cerrado verwandelte sich damit vom hässlichen Entlein der Landwirtschaft in Brasiliens Kornkammer.

Fast ein Viertel der gut 8,5 Millionen km2 des brasilianischen Territoriums wird dabei als „Cerrado“ bezeichnet. Darunter fallen grosse Flächen der Bundesstaaten Tocantins, Goiás, Minas Gerais, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Maranhão und der gesamte Regierungs-Distrikt Brasília, ausserdem ein signifikanter Teil der Bundesstaaten Bahia, Ceará, Pará, Rondônia und São Paulo.
3. April 2009
Bauern in Amazonien sollen vom Ausland für die Erhaltung des Regenwaldes entschädigt werden
Die Gouverneure der Bundesstaaten in Amazonien erkllärten heute auf einem Treffen mit dem brasilianischen Umweltminister Carlos Minc in Cuiabá, Mato Grosso, dass Ausländer Kleinbauern und Großgrundbesitzer der Region dafür bezahlen sollten, dass diese den Wald erhalten. Ivo Cassol aus Rondônia schlug etwa einen Aufpreis von 20% auf die Eintrittskarten für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 für Ausländer vor, die in einen Umwelt-Fond eingezahlt werden sollten.

Unter den Gouverneuren Amazoniens begrüßte auch Blairo Maggi aus Mato Grosso Minc, der ihn, einen der größten Soja-Anbauer der Welt, noch vor kurzem beschuldigt hatte, selbst noch in den Anden Soja pflanzen zu wollen. Nun will Minc „ökologischen Frieden“ mit Maggi schliessen und Partnerschaften eingehen. Die Politiker sprachen sich dafür aus, dass die Bauern finanziell entschädigt werden müssten, wenn sie der Umwelt Dienste leisten würden, indem sie die Abholzungen und damit auch den Ausbau neuer Agrarflächen unterlassen würden. Dies sei eine Form, wirtschaftliches Wachstum mit ökologischer Nachhaltigkeit zu verbinden.

Die Erklärungen wurden auf dem 14. Katoomba-Meeting abgegeben, einem internationalen Treffen von Politikern, Forschern und Umweltschützern, die noch bis morgen die Einführung von Marktinstrumenten zur Minderung des Kahlschlags und der Emission von Treibhausgasen diskutieren werden. Ein wichtiges neues Instrument, zusammengefasst unter der Abkürzung REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation – Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern), besteht dabei aus einer ganzen Reihe von Vorschlägen, die letztendlich darauf aus sind, einen völkerrechtlichen Rahmen zu schaffen, in dem mit internationalen Mitteln Amazonien für den Schutz seiner Wälder finanziell entschädigt wird. Mit diesen Geldern könnten nicht nur bereits abgeholzte Flächen wieder bewaldet, sondern auch intakte Regionen erhalten bleiben.

Der REDD Mechanismus, sei nach Maggi genau das, was Mato Grosso brauche. Um die Umwelt nicht zu schädigen, müsse sie etwas wert sein. Auch der Gouverneur vom Bundesstaat Amazonas, Eduardo Braga, meinte, die reichen Länder sollten den Erhalt der Wälder finanzieren, da sie schließlich die Hauptverantwortlichen für die Emissionen seien. Umweltminister Minc verkündete, ab Mai diesen Jahres Projekte zum Schutz und zur Wiederaufforstung bestimmter Regionen Amazoniens zu starten, die aus dem 2007 begründeten Amazonas-Fonds finanziert werden. Der Fond allerdings erhielt bisher nur eine einzige Spende, USD 130 Millionen aus Norwegen.

28. Dezember 2008
Landwirtschaftliche Produktionssteigerung durch Forschung
Wissenschaftliche Forschungen des nationalen Landwirtschafts-Forschungsinstituts Embrapa erlaubten eine starke Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion innerhalb der letzten Jahre und ließen Brasilien weltführend im Bereich tropischer Landwirtschaft werden. Dem Institut gehören über 2.000 Forscher an, davon halten 25% einen Mastertitel inne, 74% sind Doktoren.

Von 1980 bis 2006 stieg die Gemüseproduktion von 9 Mio. t, auf 700.000 ha erzeugt, auf 17,5 Mio. t, wobei die Anbaufläche lediglich um 10% zunahm. Das Angebot an Rind- und Schweinefleisch vervierfachte sich, an Hähnchenfleisch wird heute gar die 18fache Menge produziert. Die Milchproduktion stieg im Zeitraum von 1975 bis 2006 von 7,9 Mrd. l auf 25,4 Mrd. l. Die Ernte bei den Kornsaaten stieg in den vergangenen 17 Jahren um 146% auf nur 24% größerer Fläche. Reis wurde zu 50% mehr produziert, und das auf einer um die Hälfte reduzierten Fläche.

„Wir haben Resultate erzielt, weil wir in ganz Brasilien Spezialisten haben, die Forschungen in den verschiedensten Anbaugebieten durchführen“, sagt José Roberto Rodrigues Peres von der Abteilung Technologietransfer der Embrapa. „Heute haben wir 600 laufende Forschungsprojekte in unseren 41 Einheiten und Netzen der Bundesländer. Die Mittel aus dem Regierungsprogramm zur Beschleunigung des Wachstums (PAC) garantieren zudem die Forschung für weitere 30 Jahre“, schließt Peres.

16. Mai 2008
Brasilien untersucht Auswirkungen der Biospritproduktion auf Umwelt und Gesellschaft

auf englisch:
www.reporterbrasil.org.br/biofuel/ www.reporterbrasil.org.br/documentos/
brazil_of_biofuels_v1.pdf

Der Ende April diesen Jahres veröffentlichte erste Teil einer Studie der Nichtregierungsorganisation „Reporter Brasil“ über die Biospritproduktion und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, warnt unter anderem vor der fortschreitenden Zerstörung Amazoniens. Der Bericht basiert auf Umfragen und Feldforschung auf einer 19.000 km langen Reise durch die brasilianischen Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Paraná, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Tocantins, Pará, Ceará, Bahia, Piauí und Maranhão sowie durch das Land Paraguay. Dieser erste Teil von drei Jahresberichten befasst sich mit der Soja- und Rizinusproduktion und beschreibt systematisch ihre Auswirkungen sowohl sozioökonomisch und arbeitsrechtlich als auch auf die Umwelt, auf indigene und herkömmliche Gemeinden. Der zweite Teil wird sich mit Mais, Baumwolle, Dendê- und Babassuöl befassen, der dritte mit Zuckerrohr und Pinienkernen. Die Studie beinhaltet Fallbeispiele, Karten, Daten und Statistiken aller untersuchten Problemkreise.


Soja

Die steigende internationale Nachfrage nach Biotreibstoffen stellt einen neuen Anreiz zur Erhöhung der Sojaproduktion in Brasilien dar. Es wird geschätzt, dass das Land noch dieses Jahr die USA als weltgrössten Soja-Exporteur überflügelt und in höchstens sechs Jahren über die grösste Anbaufläche des Produkts weltweit verfügt. Einerseits verhilft diese Expansion einigen Produzenten zur starken Erhöhung ihrer Gewinne und Brasilien zu mehr Devisen durch die Exporte, andererseits verstärken sich die negative Auswirkungen wie Abholzung von Wäldern, Kontaminierung von Flüssen, Landkonzentration und Ausbeutung der Arbeiter, vor allem in den Regionen des Cerrados im Mittleren Westen und Amazoniens.

Bislang wirkt der Hauptantrieb zur Expansion des Sojaanbaus indirekt. Die gestiegene Nachfrage in den USA nach Äthanol aus Mais hat für einen vermehrten Maisanbau sowie einen Expansionsstopp der Sojapflanzungen gesorgt. Dazu kommt die weltweit grosse Nachfrage nach Schrot, das als Futtermittel verwendet wird, wodurch die internationalen niedrigen Preise des Getreides wieder angestiegen sind. Angesichts dessen erhöhten die brasilianischen Sojapflanzer Ihre Produktion. Die Sojaernte 2007/2008 ist im Vergleich zu der davor um 20% im Norden Brasiliens (wo der grösste Teil der amazonensischen Wälder liegen) gestiegen und um 7,9% im Nordosten, besonders in den Regionen des Cerrados in den Bundesstaaten Maranhão, Piauí und Bahia. In Brasilien ist Soja der Hauptrohstoff für die Produktion von Biodiesel. Der momentane Verbrauch, der die obligatorische Beimischung von 2% im Dieselöl und die jährliche Produktion von 850 Millionen Litern Biodiesel decken soll, wird auf 3,5 Millionen Tonnen Soja geschätzt – eine allerdings immer noch zu geringe Menge, um tatsächlich die Getreidepreise zu beeinflussen.

Der Sojamarkt wird vorraussichtlich noch wachsen. Die starke Nachfrage wird weiterhin dafür sorgen, dass Weideland durch Pflanzungen des Getreides ersetzt werden wird, was wiederum dazu führt, dass sich - oft auf illegale Weise - entwaldete Flächen definitiv in Felder verwandeln, die Viehwirtschaft immer weiter in Richtung Amazonien gedrängt und noch mehr Kahlschlag betrieben wird. Brasilianische hydrographische Becken und ihre Artenvielfalt sind von dem Vorrücken der Sojapflanzungen auf Böden bedroht, deren Vegetation laut Gesetz bewahrt werden müsste, wie etwa die Galeriewälder. Dazu kommt die Kontaminierung der Flüsse, deren Quellen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten liegen wie etwa im Parque Indígena do Xingu.

Es gibt sogar Fälle, wo Soja auf Land produziert wird, das offiziell vom brasilianischen Staat als Indianerreservate ausgewiesen und anerkannt sind, beispielsweise im Reservat Maraiwatsede der Xavantes im Bundesstaat Mato Grosso und in diversen Gebieten in Mato Grosso do Sul, in denen von jeher Guarani-Kaiowás leben.

Trotz der starken Mechanisierung des Sektors findet man auf Sojaplantagen bei der Säuberung des Geländes in der Vorbereitungsphase zum Pflanzen immer noch Sklavenarbeit. Die sogenannten „schwarzen Listen”, die das brasilianische Arbeitsministerium über die Unternehmer führt, die auf ihren Ländereien diese Art von Arbeit nutzen, zeigen, dass 5,2% der Sklavenarbeit mit der Sojaproduktion zusammenhängen. Viele Betriebe und Finanzinstitute bekämpfen zwar die Sklavenarbeit, doch gibt es immer noch Lücken, durch die Sojaproduzenten der „schwarzen Liste“ ihre Ware auf den Markt bringen.

Abgesehen davon, bestehen Probleme durch die geringe Schaffung von Arbeitsplätzen auf dem Land aufgrund der Mechanisierung der Produktion (ein bis vier direkte Arbeitsplätze auf je 200 Hektar) sowie bei den Arbeitsunfällen durch das Manövrieren von Landmaschinen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die extrem stark genutzt werden sowohl in der herkömmlichen Produktion als auch bei der gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Zahlen der Landarbeiter und der Bevölkerung die in unmittelbarer Nähe von Plantagen lebt und Vergiftungserscheinungen durch Pflanzenschutzmittel verzeichnen, sind steigend. 2005 suchten 6870 von ihnen ärztliche Hilfe. Der Expansionsprozess der Soja, der auf einem Modell von riesigen mechanisierten Ländereien beruht, provoziert zunehmende Landkonzentration und Landflucht. Obwohl die Sojaproduktion gestiegen ist, hat sich die Zahl der das Getreide produzierenden Betriebe im vergangenen Jahrzehnt um 42% verringert. Bei anderen Produkten gab es eine Minderung von 16,3% im selben Zeitraum. Der Expansionsprozess geht nicht friedlich ab, sondern bildet den Hintergund für 16 Konflikte im Bundesstaat Mato Grosso im vergangenen Jahr, von mindestens 18 der 38 Konflikte in Paraná und zumindest von zwei der 105 Konflikte in Pará.

Auch wenn es einerseits noch früh ist, um das Gewicht abzuschätzen, das die Biokraftstoffe bei den Preisen der landwirtschaftlichen Commodities einnehmen, kann man andereseits bereits daraus schliessen, dass die steigende Nachfrage nach ihnen Druck auf die Lebensmittelproduktion ausüben wird und das in einem Moment, in dem Produkte wie Soja, Mais und Weizen Rekordpreise erreicht haben. Der Internationale Währungsfond kalkuliert eine Preiserhöhung der Lebensmittel von 30,4% von November 2004 bis Dezember 2007. Biotreibstoffe werden nicht den Hunger in der Welt erschaffen, da ja bereits Hunderte von Millionen Menschen täglich Hunger leiden. Sicherlich aber werden sie das Problem noch verschlimmern.

Die vorliegende Studie, über Brasilien und seine Produktion von Biotreibstoffen, kann in der momentanen delikaten Situation dafür sorgen, dass negative Auswirkungen identifiziert und aufgehalten werden können. Eine der Empfehlungen an die Regierung ist beispielsweise das Streichen der Finanzierungen und Umschuldungen für Unternehmer, die verantwortlich für die Auswirkungen wie Umweltschäden sind. Daneben soll die Expansion landwirtschaftlich genutzter Flächen im Cerrado und in Amazonien nicht erlaubt werden ohne Studien, die beweisen, dass sozial und umwelttechnisch keine Schäden entstehen werden, dass die lokale Bevölkerung befragt wurde und dass die ernährungstechnische Unabhängigkeit garantiert ist. Unternehmern wird extreme Vorsicht bei der Auswahl ihrer Lieferanten sowie beim Verhalten der eigenen Betriebe geraten.


Rizinus
Mit dem Start des Nationalen Programms zur Produktion und zum Nutzen des Biodiesels (PNPB) im Jahre 2004 richten sich alle Blicke wieder auf den Rizinus, der von der brasilianischen Regierung zum Zugpferd seiner Politik der sozialen Integration der Familienbetriebe in die Produktionsprozesse von Biokraftstoffen gemacht wurde. So erhält die Biodieselindustrie von der Regierung Steuervorteile beim Kauf Rizinus, der von Familienbetrieben - vor allem aus dem semiariden Nordosten - produziert wird.

Das Projekt brachte jedoch den Kleinbauern noch keine konkrete Resultate, vor allem nicht denen in den Bundesstaaten im Nordosten Brasiliens. Trotz der Bemühungen der Regierung, die Pflanzung von Rizinus zu fördern, ist seine Produktionskette noch immer stark an private Projekte der Biodieselindustrie gebunden und weit von den Bedürfnissen der Familienbetriebe entfernt, was zu Missverständnissen zwischen dem landwirtschaflichen und dem verarbeitendem Sektor führt. Aber es gibt Ausnahmen: Wenn organisierte Bauern die Produktionskette übernehmen und ihre eigenen Kriterien für Verarbeitung und Kommerzialisierung anwenden können, dann zeigt sich der Rizinus sehr wohl als Alternative, die einen sozial, umwelttechnisch und wirtschaftlich nachhaltigen Verdienst einbringt.
4. Mai 2008
Dilma Rouseff wendet sich gegen Verurteilung von Biokraftstoffen
Die brasilianische Innenministerin Dilma Rouseff hat sich auf dem 2.CEO Forum in Washington am Montag deutlich gegen die allerseits auftretetenden Verurteilungen der Produktion von Biokraftstoffen gewandt. Die weltweit zu verzeichnenden drastischen Preissteigerungen bei Lebensmitteln sei in erster Linie den extrem hohen und städig steigenden Ölpreisen zuzuschreiben. Die Produktion und der Verbrauch von Biokraftstoffen, wie Ethanol aus Zuckerrohr, ist im Vergleich zum Energieträger Petroleum dermassen gering, dass sie im Teuerungsprozess so gut wie keine Rolle spiele. Dies seie ein Fakt.

Dilma Rouseff findet die Aussagen sehr merkwürdig, wonach die Produktion von Biokraftstoffen in eine direkte Verbindung mit der Verteuerung von Lebensmitteln gebracht wird. Dies seien ausgesprochen tendenziöse Aussagen, die sie sehr besorgt machen.

Neben den hohen Ölpreisen seien es auch andere Faktoren, wie der gestiegene Bedarf an Proteinen in China und Indien, wo die Menschen sich besser ernähren. Schliesslich dürfe es kein Privileg der reichen Länder sein Proteine zu konsumieren. Ebenfalls wurden Klimaveränderungen und deren Folgen für die Situation verantwortlich gemacht.

Auch zeuge die Behauptung, dass der Anbau von Zuckerrohr, der von der landwirtschaftlich nutzbaren Flache insgesamt nur einen unbedeutenden Teil ausmache, verantwortlich für die Abholzung des amazonensischen Regenwaldes sei, von Unwissen, da die Plantagen in der Regel über 1000km vom Regenwald entfernt seien.

Bei dieser Gelgenheit forderte die Ministerin von den reichen Industrienationen die Aufgabe ihrer Protektionsmechanismen. Dies verhindere das Wachstum der Agrarproduktion in den ärmeren Ländern und deren nachhaltige und dauerhafte Entwicklung, da diese keine Märkte mehr findenwürden.
3. März 2008
EU erlaubt Fleischimport von 106 Betrieben
Die Europäische Union hat beschlossen, mit sofortiger Wirkung den Import von brasilianischem Rindfleisch aus 106 Farmbetrieben zu erlauben. Da die Regierung in Brasília mittlerweile ca. 5.000 Betriebe als für den Export geeignet ansieht, entspricht diese Freigabe lediglich einem Anteil von 2,12%. Dies sei „dasselbe wie nichts“, äusserte die Landwirtschafts- und Viehzuchts-Konföderation Brasiliens (CNA). Auch wurden Stimmen in der CNA laut, die ein Vorstelligwerden bei der Welthandelsorganisation WTO anrieten.

Für Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes jedoch bedeutet dieser Schritt die erneute Öffnung des europäischen Marktes. Er erwartet, dass die Exporte bis zum Jahresende auf das normale Maß zurückkehren werden. „Das Signal ist positiv, es bedeutet, dass die EU Interesse am brasilianischen Fleisch hat“, ließ er verlauten. Auch der Verband der brasilianischen Fleischexport-Industrie (Abiec) äusserte sich zustimmend.

Verantwortliche eines weiteren Agrarbereichs sehen sich durch die Vorkommnisse beim Rindfleisch alarmiert. Die Geflügelzüchter, Weltexporteur Nr. 1, machen auf Missstände im sanitären Bereich aufmerksam, die aufgrund fehlenden qualifizierten Personals oder mangelnder Koordination staatlicher Programme bestehen. Laut CNA hielten die Investitionen ins Sanitärsystem von lediglich 0,4% des Exportvolumens des vergangenen Jahres nicht mit der deutlichen Steigerungsrate von 9,4% im Geflügelsektor mit. Diese Investitionen müssten mindestens verdreifacht werden, zumal da es Anzeichen gibt, dass die Rekorde aus 2007 im laufenden Jahr noch übertroffen werden. So wurde im Januar Geflügel im Gegenwert von 474 Mio.US$ exportiert, im gleichen Vorjahreszeitraum betrug der Wert 265 Mio. US$.
23. Februar 2008
Steigerungsrate beim Anbau von transgenen Kulturen
Einem Bericht des ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) nach betrug der Zuwachs beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen im vergangenen Jahr 30%, nur übertroffen von der Rate Indiens, die bei 63% lag. Bei der Anbaufläche wies Brasilien die größte Steigerung weltweit auf, sie betrug 3,5 Mio. Hektar. Trotz Erhöhung dieser Raten blieb Brasilien mit 15 Mio. ha angebauten Soja und Baumwolle drittgrößter Produzent transgener Kulturen in der Welt. Nur die USA (57,7 Mio. ha) und Argentinien (19,1 Mio. ha) bauten auf mehr Fläche an.

Der Bericht des ISAAA, der von der Saatgutindustrie gesponsert wird, weist darauf hin, dass der Anbau von transgenen Pflanzen zum Abbau der Armut bei den Bauern in aller Welt beitrage – eine Sicht, die Umweltschutzgruppen so nicht teilen können. So erklärt beispielsweise die brasilianische NGO „Amigos da Terra“ („Freunde der Erde“), dass der Anbau dieser Pflanzen zu einem beträchtlichen Anstieg des Pestizidverbrauchs führt und nicht den von der Industrie der armen Bevölkerung versprochenen Erntezuwachs bringt.

Im vergangenen Jahr sollen dem ISAAA zufolge weltweit 2 Mio. Farmer, die nun gentechnisch verändertes Saatgut pflanzen, zu den schon bestehenden 10 Mio. hinzugekommen sein. Von ihnen seien 90%, also um die 11 Mio., arm. Dem Bericht zufolge ist es das erste Mal, dass die Anzahl der Entwicklungsländer (12), die manipuliertes Saatgut verwenden, die Zahl der reichen Länder (11), die dies tun, übertrifft. Auch sei die Wachstumsrate der Entwicklungsländer mit 21% mehr als dreimal so hoch wie der Industrieländer mit 6%.

Der Präsident und Autor des Berichts, Clive James, äußerte sich dahingehend, dass mit der globalen Preiserhöhung von Lebensmitteln die Vorteile der biotechnologischen Kulturen niemals so wichtig waren wie jetzt. Um das Ziel der UNO, Hunger und Armut bis zum Jahr 2015 um die Hälfte einzudämmen, zu erreichen, werden diese Kulturen im kommenden Jahrzehnt eine noch wichtigere Rolle spielen, sagte James.

Für die „Freunde der Erde“ jedoch sind die Vorteile nicht genügend belegt. Die NGO betont, dass das Saatgut gentechnisch verändert werde, um es gegen Schädlinge und Pestizide resistent zu machen, dies jedoch zu einem erhöhten Verbrauch von Herbiziden bei anderen Kulturen führe. Ausserdem weist die Organisation darauf hin, dass der Großteil der kommerzialisierten transgenen Anpflanzungen als Futtermittel und nicht zur Ernährung der Armen dient.
13. Februar 2008
Gen-Mais genehmigt
Der Nationale Rat für Biosicherheit (CNBS) hat am 12.02.2008 die Anpflanzung und Kommerzialisierung von zwei Sorten gentechnisch verändertem Mais genehmigt. Es handelt sich um Entwicklungen der Firmen Bayer Crop Science und Monsanto. Die nun erlaubten Sorten sind das Herbizid-resistente Liberty Link bzw. das Insektizid-resistente MON 810. Damit ist Mais nach Soja und Baumwolle das dritte landwirtschaftliche Produkt, welches diese Genehmigung erhält. Der CNBS, der sich aus elf Ministern zusammensetzt, untersucht dabei Fragen unter sozio-ökonomischen Gesichtspunkten. Die entscheidende Abstimmung endete 7:4 pro Gen-Mais.

Der Minister für Wissenschaft und Technologie, Sérgio Rezende, stellte gegenüber Journalisten fest, dass der genehmigte Maissamen aus wissenschaftlicher und technologischer Sicht für den Verzehr durch den Menschen, als Tierfuttermittel und in Hinsicht auf den Umweltschutz als sicher gilt.

Es steht nun noch die Registrierung dieser transgenen Varietäten durch das Landwirtschaftsministerium aus. Dabei handelt es sich um einen bürokratischen Prozess, der sich nicht allzu lange hinziehen dürfte, zumal sich der zuständige Minister Reinhold Stephanes, Berichterstatter in dieser Angelegenheit beim CNBS, schon positiv geäussert hat.

Wenn dem transgenen Mais keine juristischen Stolpersteine mehr in den Weg gelegt werden, könnte er zur zweiten Ernte des kommenden Jahres 2008/2009 angepflanzt werden. Für eine weitere Sorte, Syngenta, steht die Genehmigung noch aus.
13. Februar 2008
Wertsteigerung bei Landpreisen
Die Preise für Ackerland wiesen im vergangenen Jahr aufgrund von starker Produktion und in Erwartung einer Rekordernte für 2007/2008 eine Wertsteigerung von 17,8% auf, inflationsbereinigt waren es noch 9,6%. Der Preis für einen Hektar stieg von 3.276 Reais (1.260 €) auf 3.860 Reais (1.485 €). Betrachtet man bei der Analyse einen größeren Zeitraum von drei Jahren, so liegen die deutlichsten absoluten Wertsteigerungen pro Hektar im Bundesland São Paulo.

Trotz Turbulenzen an den internationalen Märkten, die Investitionen benachteiligen können, wird für 2008 wieder ein neuer Boom erwartet. Die Experten begründen ihn mit drei Faktoren: der Stabilität der Preise von Kornsaaten, des Wiedererstarkens der Viehzucht und dem Ausbau der Anbauflächen für die Produktion von Biokraftstoffen.

Dazu kommt, dass in den Regionen, die als Grenzgebiete bezeichnet werden, also Mato Grosso, der Westen Bahias und der sogenannte Mapito Gürtel (Maranhão, Piauí, Tocantins), wo die Preise traditionell sehr niedrig waren, in letzter Zeit auch ausländische Investoren und Investmentfonds in steigendem Masse Land erworben haben und so zu der allgemeinen Preissteierung beitrugen.

Die Preisentwicklung für Land ist einer der Faktoren, die indirekt die Abholzung der Wälder in den landwirtschaftlichen Grenzgebieten beeinflussen. Das Schaffen von Ackerflächen geht Hand in Hand mit der, grösstenteils illegalen, Ausbeutung von Edelhölzern, dem Anlegen von Weideflächen für Viehzucht und Kornsaatkulturen oder anderen Dauerkulturen.

Ende Januar bezeichnete Präsident Lula den Kahlschlag im Amazonas als „kleinen Tumor“, der wie ein diagnostizierter Krebs behandelt würde. Dabei versuchte er zu vermeiden, die, kürzlich noch vom Umweltministerium als Hauptbösewichte hingestellten, Aktivitäten des Sojaanbau und Viehzucht dafür in die Verantwortung zu nehmen.

Nach Schätzungen des Nationalen Instituts für Weltraumforschung INPE, welches für die Satellitenüberwachung zuständig ist, wurden in den letzten vier Monaten des vergangenen Jahres 7.000 km2 Wald vernichtet, das entspricht der 4,7fachen Fläche des Stadtgebietes von São Paulo, zum Vergleich, der 7,9fachen Fläche des Stadtgebietes von Berlin. Die Daten zeigten eine Unterbrechung der seit Anfang 2005 festgestellten fallenden Tendenz bei der Abholzung.
9. Februar 2008
EU verbietet Brasilien Rindfleischexport
Die Europäische Kommission hat im vergangenen Jahr Unzulänglichkeiten im sanitären System und bei der Viehüberwachung (Rückverfolgbarkeit) in brasilianischen Betrieben festgestellt und Restriktionen für den Import Brasilianischen Rindfleisches erlassen. Wobei es offensichtlich ist, dass diese Massnahmen wohl auf den Einfluss einer starken, vorwiegend irländischen Lobby zurückzuführen sind, die sich von den brasilianischen Importen benachteiligt fühlt.

Laut den am 31. Januar in Kraft getretenen verschärften Bestimmungen der EU besitzt Brasilien zur Zeit keinen einzigen landwirtschaftlichen Betrieb, der diese neue Normen erfüllt. Konsequenterweise sind brasilianische Rindfleischexporte in natura in die EU-Staaten ab sofort auf unbestimmte Zeit verboten. Auf Grund der Probleme mit BSE und Maul- und Klauenseuche (MKS) wurden die Einfuhrbestimmungen verschärft, da man befürchtet, sich die MKS wieder über die brasilianische Hintertür ins Haus zu holen. Industriell behandeltes Fleisch ist von dem Verbot ausgenommen, da der Virus der Maul- und Klauenseuche beim Verarbeitungsprozess abgetötet wird.

Über die Anzahl der Farmbetriebe, welche die Erlaubnis zum Export erhalten, gibt es zwischen der brasilianischen Regierung und den Kommissären in Brüssel Differenzen. Während Brasilien eine Liste mit über 2.700 als geeignet betrachteten Betrieben schickte, will die EU nur für 300, das sind lediglich 3% aller Rindfleisch produzierenden Farmen, den Import nach Europa zulassen. Diese Liste sei erst am vergangenen Dienstag geschickt worden und so würde die EU mehr Zeit zur Analyse benötigen, doch momentan existiere keine geprüfte Liste und somit kein autorisierter Betrieb, teilte der Kommissär Markos Kypriano mit. Allerdings hatte Brasilien bis Ende Januar Zeit, diese Liste zu übersenden.

Im Jahre 2007 betrugen die brasilianischen Exporte in die EU 543.000 t, das waren 21% der Gesamt-Rindfleischexporte. Diese erbrachten einen Ertrag von 1,4 Mrd. US$, was 34% der Gesamterträge entspricht. 34% Ertrag mittels 21% des Exports waren möglich, da in Europa gute Preise erzielt werden konnten. Das verdeutlicht den Impakt, den die EU-Entscheidung für den brasilianischen Markt haben wird. Die Schäden für die brasilianischen Produzenten werden in der Größenordnung zwischen 80 und 90 Mio. US$ monatlich liegen. Das Embargo hält mindestens bis zum 25. Februar an, wenn ein erneute Untersuchung der Europäer im Land erfolgen wird.

Für den brasilianischen Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes gibt es kein sanitäres, sondern ein rein bürokratisches Problem bezüglich der Viehüberwachung. Ulrich Kihm, ehemaliger Direktor des Bundesveterinäramts der Schweiz, die über ein Abkommen mit der EU auch vom Verbot betroffen ist, hat eine ähnliche Ahnung: „In Brasilien trägt nicht jedes Rind eine Ohrmarke, die es eindeutig identifiziert.“ Laut Kihm ist das aber auch in Argentinien, Kanada und den USA der Fall. Auch er kann nicht sagen, warum sich die EU gerade auf Brasilien eingeschossen hat. In der Schweizer Fleischbranche wird gemunkelt, dass die EU einen wahrhaften Handelskrieg gegen Brasilien führt.